Flächenrecycling
Rund 130 Hektar freie Landschaft werden in Deutschland jeden Tag verbaut — Verlierer ist die Natur, weil Lebensräume für Pflanzen und Tiere verschwinden. Der riesige Landverbrauch könnte reduziert werden, würden mehr so genannte Altlastenflächen recycelt.
Unter Flächenrecycling, im Englischen "Brownfields Redevelopment", versteht man die Wiedereingliederung brachliegender Gründstücke in den Wirtschaftskreislauf. Warum das ungenutzte Areal seine bisherige Funktion verloren hat, kann vielfältige Gründe haben — stillgelegte Industriebetriebe, Militärliegenschaften oder alte Verkehrsflächen sind nur einige Beispiele. Oft spielen auch Umweltschäden eine Rolle: Haben Schadstoffe den Boden verunreinigt, muss das Gelände vor einer neuen Nutzung erst aufwendig saniert werden.
Land gewinnen
Die Brachfläche kann unterschiedlich groß sein: Oft handelt es sich nur um das Gelände einer kleinen Tankstelle — manchmal aber auch um Gebiete von etlichen Quadratkilometern. Die Schäden zu beheben ist nicht immer einfach, aber der Aufwand lohnt sich: Die Umwelt wird geschont und die Sanierung kommt häufig billiger als die völlige Neuerschließung anderer Gebiete. Da mit der Sanierung zudem der Wert des Grundstücks steigt, ist Flächenrecycling auch für Investoren interessant.
Riskantes Projekt
Allerdings ist Flächenrecycling mit zahlreichen Risiken verbunden: Selbst mit moderner Untersuchungstechnologie lassen sich Bodenbelastungen häufig nicht hundertprozentig nachweisen. Bei jeder Sanierung können unerwartet auftauchende Schadstoffe die Arbeiten erheblich in die Länge ziehen und verteuern.
Werden giftige Stoffe erst nach der Sanierung entdeckt, können unter Umständen Bewohner hohe Schadenersatzansprüche stellen. Keine Sanierungsgesellschaft kann diese Risiken allein tragen — erst Versicherungsschutz macht Flächenrecycling überhaupt möglich.
In den USA, in Großbritannien sowie zunehmend auch in Deutschland betrachtet man die Revitalisierung von Brachflächen als wichtig und sinnvoll. Neue Nutzungen auf alten Flächen können dazu beitragen, Umweltprobleme, städtebauliche Missstände sowie wirtschaftliche Ineffizienzen in den Griff zu bekommen.