Ruhe vor dem Sturm: Jetzt vorbeugen!

Die beste Methode, Sturmschäden mittel- und langfristig zu reduzieren oder gar zu verhindern, ist, Bauwerke und ihre Komponenten windfester zu machen. Dazu gehört auch, Infrastruktureinrichtungen wie Brücken oder Verkehrsmittel (Stichwort: Aerodynamik von Fahrzeugen) entsprechend anzupassen. Zur Schadenminderung müssen alle Bauwerkskomponenten so bemessen werden, dass sie Zusatzlasten standhalten, die sich bei einem Sturm mit der sogenannten Auslegungswindgeschwindigkeit ergeben. Dabei sind sowohl statische als auch dynamische Kräfte zu berücksichtigen: Tatsächlich wirken auf ein Gebäude während eines Sturms höchst instationäre, in Stärke und Richtung ständig wechselnde Strömungen.

Schlechtes Wetter braucht gute Architektur

Der Wind wirkt nicht nur einseitig – auch die Gebäude selbst beeinflussen die Windströmung. So verstärken die Luftwirbel, die sich von Ecken und Kanten der Bauwerke ablösen, wiederum die Lasten auf das Bauwerk. Auch das Resonanzverhalten des Gebäudes spielt eine Rolle. Handelt es sich um einen wenig gedämpften, elastischen Körper, können sich schon bei relativ niedrigen Windgeschwindigkeiten starke Schwingungen entwickeln. Aus dem Trend, Bauwerke immer größer und leichter zu machen, entstanden auch immer schwingungsanfälligere Konstruktionen. Welche vorbeugenden Maßnahmen können diese schadenträchtige Entwicklung abschwächen oder gar stoppen? Dazu einige typische Schadenursachen mit jeweils möglichen Vorsorgemaßnahmen:

Dächer

Dächer sind der Gebäudeteil, der am häufigsten von Sturmschäden betroffen ist. Gründe dafür:

  • Die Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe zu.
  • An scharfen bzw. überstehenden Dachkanten bilden sich Windverwirbelungen.
  • Dächer, Kamine, Dach- und Antennenaufbauten usw. sind oft nur unzureichend im Tragwerk des Gebäudes verankert und/oder werden mangelhaft instand gehalten.

Um langfristig Sturmschäden an Dächern zu vermeiden, sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

  • Bei einer flächig ausgebildeten Dachhaut (etwa Wellblech): Verschraubung an der tragenden Konstruktion. Ansonsten flexible Befestigung der einzelnen Dachelemente bzw. Dachziegel.
  • Verankerung der Dachkonstruktion im Mauerwerk mithilfe von Mauerankern, Schrauben und Metallbändern. Einfache Nägel sind hierfür ungeeignet.
  • Gebäude-Aerodynamik: Man sollte zu flache oder zu steile Dächer bzw. zu große Dachüberstände vermeiden. So verringern sich auch die Druck- und Sogkräfte des Winds.
  • Gärtnerische Pflege: Ausreichender Abstand schützt das Gebäude vor Sturmschäden durch umgeknickte Bäume.
  • Sinnvolle Vorratshaltung: Ersatzdachplatten oder Folien ermöglichen im Schadenfall eine schnelle Reparatur und bieten einen (zumindest temporären) Nässeschutz.
Außenwände, Fassaden

Die Außenwände von Gebäuden werden in der Regel nur bei besonders starken Sturmereignissen beschädigt. Allerdings zeigt sich, dass sich durch die Verwendung teurer und gleichzeitig sehr empfindlicher Wandverkleidungen auch Schäden an den Außenwänden häufen. Anders als bei herkömmlich gemauerten oder verputzten Fassaden, hat der Wind hier leichtes Spiel. Durchaus eine besorgniserregende Entwicklung. Dabei ist es egal, ob es sich um Isolierung gegen Wärmeverlust bzw. eindringende Nässe mit aufgeklebten oder aufgeschraubten Stoffen, Metall- oder Pressstoffplatten oder um ganze Fassaden aus Leichtmetall oder Kunststoff handelt. Mögliche Vorsorgemaßnahmen, um Schäden an Außenwänden und Fassaden vorzubeugen:

  • Stabile Verankerung von Isolierungs- und Fassadenelementen im Tragwerk des Gebäudes.
  • Weiche Fassadenmaterialien sollten in hagelgefährdeten Gebieten generell vermieden werden.
  • Großflächige Glaselemente müssen stets flexibel aufgehängt sein.
  • Das Bauwerk sollte stabil im Fundament verankert sein.

Bewegliches gegen schlechtes Wetter schützen

Gerüste, Kräne

Gerüste und Kräne sind typische sturmgefährdete, temporäre Bauten, ebenso Traglufthallen (Hallen ohne Traggerüst, die durch Überdruck stabil sind) und Zelte. Gerade hier wird die so wichtige Verankerung im Boden oftmals nicht ausreichend beachtet. Die Folge: Nicht nur Gerüst oder Kran werden bei einem Sturm schwer beschädigt, es kommt auch zu Schäden in der näheren Umgebung, an geparkten Autos oder an anderen Gebäuden im Sturzbereich. Häufig werden dabei auch Menschen verletzt.

Es bestehen folgende Möglichkeiten, Schäden vorzubeugen:

  • Ob bei Neubau oder Reparatur: eine sichere Verankerung der Gerüste an den Bauwerken.
  • Austausch abgenutzter, korrodierter oder sonstiger unsicherer Anlagenteile – sowie deren regelmäßige Kontrollen.
  • Bei Kränen, die auf Schienen laufen: sichere Verankerung des Fahrgestells mit Bolzen und Laschen auf dem Schienenfundament.
  • Bei Turmdrehkränen sollte man die Ausleger entriegeln, um sie flexibel in den Wind ausrichten zu können.
  • Generell bei Kränen: Tragfähigkeit des Untergrunds prüfen, vor allem mit Blick auf die stark einseitige Belastung bei Sturm. Notfalls ist es erforderlich, sie mit einer Seilabspannung zu sichern.
Kraftfahrzeuge, Wohnanhänger

Gerade im Autokaskobereich ist die Versicherungswirtschaft bei jedem signifikanten Sturmereignis von umfangreichen Schäden betroffen. Die Summe der Kfz-Kaskoschäden beträgt in Regionen mit hoher Sach-Versicherungsdichte häufig 5–10 % des versicherten Gesamtschadens. Auf sich erst entwickelnden, neuen Märkten kann dieser Anteil auch deutlich höher sein. Schäden entstehen vor allem durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste, Dachplatten oder Fassadenteile.

So kann man vorbeugen:

  • bei Sturm oder Unwetterwarnung: Fahrzeuge in Garagen unterstellen
  • bei Gefahr starker Sturmböen: besonders exponierte Straßenabschnitte und Brücken für große Lastwagen und Wohnanhänger sperren
  • auf Campingplätzen: Wohnanhänger mit Abspannungen sichern
  • in hagelexponierten Gebieten: Autolager mit Hagelnetzen schützen
  • generell: Schäden schnell reparieren, um Korrosion und andere Folgeschäden zu vermeiden

Durch vorsorgende Maßnahmen lassen sich Sturmschäden erheblich reduzieren oder sogar verhindern. Die wirksamste Prävention jedoch ist, Infrastruktureinrichtungen sowie alle Bauwerke samt ihrer einzelnen Komponenten bereits im Vorfeld windresistent zu planen. Landnutzungsbeschränkungen für stark exponierte Gebiete, etwa in unmittelbarer Küstennähe, kommt ebenfalls eine besondere Bedeutung zu.