Dr. Anselm Smolka
Vulkanismus – Neuere Erkenntnisse zum Risiko von Vulkanausbrüchen
Weltweit gelten rund 550 Vulkane als aktiv. Jedes Jahr brechen 50 bis 65 von ihnen aus. Das Katastrophenpotenzial zeigte 1980 die Eruption des Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington. Seitdem beschäftigt sich die Münchener Rück mit der Frage: Wie viel Risiko bergen Vulkanausbrüche?
Heute wie vor über 25 Jahren gilt: Es gibt – mit Ausnahme der äußerst seltenen großen Meteoritenabstürze – keine anderen Naturereignisse, die so weite Gebiete mit vergleichbarer Intensität und Plötzlichkeit verwüsten können wie Vulkanausbrüche. Ihre direkten Wirkungen: Lava-, Schlamm- und pyroklastische Ströme, Glutwolken, Ascheeruptionen, Ascheablagerungen. Die indirekten Folgen: Klimaveränderung. Die Schäden: Neben direkten, Beeinträchtigung des Luft- und Schiffverkehrs sowie Ernteausfälle.
Nennenswerte versicherte Schäden verursachten in jüngerer Vergangenheit Eruptionen des Pinatubo (Philippinen, 1991), des Tavarvur (Papua-Neuguinea, 1993) und des Soufriere (Montserrat, 1995–97). Die Schadensummen lagen jeweils bei mehreren 10 Millionen US$. Der größte Ausbruch war der des Pinatubo. Seine klimatische Auswirkung war weltweit spürbar: Aufgrund aerosolbildender Schwefeldioxidmoleküle, die in die höhere Atmosphäre gelangten, sank die globale Durchschnittstemperatur um ein halbes Grad.
Gefährdete Großstädte
In der Nähe von Vulkanen leben weltweit rund 500 Millionen Menschen – die meisten von ihnen in Großstädten, zum Beispiel im neuseeländischen Auckland. Die Stadt liegt direkt in einem vulkanischen Gebiet. Wie eine probabilistische Gefährdungsstudie zeigt, bergen aber nicht die Kleinvulkane im Stadtgebiet das große Risiko. Das größere droht vielmehr von den teilweise hoch explosiven Vulkanen, die sich etwa 200 km südöstlich und 260 km südlich der Stadt befinden – beispielsweise vom Mount Taranaki/ Egmont. Die wesentlichste Gefahr sind dabei die Ascheablagerungen nach einem Ausbruch.
Ein hohes Risiko für urbane Räume besteht auch in Japan. Neben Tokio sind Millionenstädte wie Nagoya, Kioto und Yokohama bedroht. Besonders betroffen wäre die nähere Umgebung des Fujiyama – hier machen jährlich 20 Millionen Menschen Urlaub.
Ebenfalls gefährdet ist das Gebiet um Neapel, Italien. Ungefähr alle 30 Jahre ist der Vesuv in den vergangenen Jahrhunderten ausgebrochen. Bei einer erneuten Eruption mit dem Ausmaß von 79 v. Chr. – so die Schätzungen – beliefe sich der materielle Schaden auf rund 40 Milliarden US$. Davon wäre zum gegenwärtigen Stand nur ein verschwindend geringer Teil versichert. Ob eine aktuelle Gefährdung besteht, ist allerdings umstritten.
Seit 2001 nimmt jedoch die Sorge der Forscher zu: Sie entdeckten unter dem Vesuv einen 400 km2 großen Magmasee, der sich unterirdisch bis unter die Hügel der Phlegräischen Felder im Nordwesten Neapels erstreckt. Mehr als 3 Millionen Menschen leben in dieser Region. Damit bedrohen die Phlegräischen Felder Neapel vermutlich stärker als der Vesuv selbst. Sie sind ein Beispiel eines sogenannten Supervulkans, ein populärwissenschaftlicher Begriff für Vulkane, die Ausbrüche mit einem Volumen von 300 km3 oder mehr verursacht haben.
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