Seismische Flutwelle (Tsunami)

Seismische Flutwellen — meist mit dem japanischen Ausdruck "Tsunami" benannt — entstehen bei starken untermeerischen Beben (Seebeben) oder bei großen, oft von Erdbeben ausgelösten untermeerischen Erdrutschen bzw. bei Vulkanausbrüchen im Meer oder an der Küste.

Diese Wellen breiten sich mit großer Geschwindigkeit, die von der Wassertiefe abhängt, in alle Richtungen aus. In den großen Ozeanbecken beträgt die mittlere Geschwindigkeit rund 700 km/h. Während die Wellen auf dem offenen Meer kaum zu bemerken sind, laufen sie bei tiefen Küstengewässern, vor allem aber in engen Buchten, zu enormen Wasserhöhen auf (in flachen Gewässern branden sie schon vor Erreichen der Küste aus).

So haben diese unvermittelt hereinbrandenden Wellen in Hawaii und Japan schon 30 m Höhe erreicht und dabei große Küstenstriche verwüstet. Da die Wellen über 10.000 km und mehr ohne große Schwächung laufen können, werden häufig Gebiete betroffen, die keinerlei direkte Erdbebenwirkungen zu spüren bekommen (z. B. Japan beim Chilebeben 1960).

Aus diesem Grunde wurde für den gesamten zirkumpazifischen Raum ein Warndienst eingerichtet. In der Weltkarte sind die nach den historischen Erfahrungen als gefährdet anzusehenden Küsten gekennzeichnet. Die Gefährdung beschränkt sich auf den unmittelbaren Küstenbereich; in sehr ungünstigen Fällen reicht sie etwa 1 km landeinwärts.

Die rapide zunehmende Bebauung der Küstenzonen mit großen Industrieanlagen und Hotelketten hat die Bedeutung der Tsunamigefahr stark ansteigen lassen.