Ernst Rauch

01 Schadenbilanzen der Hurrikanserien 2004 und 2005

Die vier schadenträchtigsten Hurrikane mit Landfall in der Karibik und den USA — Charley, Frances, Ivan, Jeanne — verursachten 2004 eine neue Spitzenbelastung aus tropischen Wirbelstürmen im Atlantik für die Assekuranz, rund 30 Milliarden US$.

Das bisher teuerste Jahr in der Region war 1992, als Hurrikan Andrew die Versicherer 17 Milliarden US$ kostete. Nach Analysen der Münchener Rück würde Andrew die Versicherungswirtschaft heute mit annähernd 30 Milliarden US$ belasten — wenn man bedenkt, wie sich die versicherten Werte in den damals betroffenen Regionen in Florida und Louisiana entwickelt haben.

Die Summe der Einzelschäden aus Hurrikanen war 2004 folglich nicht außergewöhnlich. Dagegen überraschte, dass ein Schaden dieser Höhe nur 13 Jahre nach Hurrikan Andrew eintrat. Denn die "Wiederkehrperiode" für einen marktweiten Hurrikanjahresschaden von 30 Milliarden US$ schätzten kommerzielle Modelle teilweise auf deutlich über 30 Jahre.

Auch der hohe Schadenkumul aus einer Serie mittelgroßer Hurrikane kam für manche Risikoträger unerwartet. Nach Andrew hatten sich viele Versicherer darauf konzentriert, das Kumulschadenpotenzial eines Großereignisses zu bewerten — die Qualität dieser Einschätzungen sollte schon bald auf die Probe gestellt werden.

Das Naturkatastrophenjahr 2005 war gekennzeichnet durch Rekordbelastungen aus Hurrikanen im Nordatlantik: über 83 Milliarden US$ versicherte Schäden. Allein Katrina verursachte nach Schätzungen der Münchener Rück Marktschäden von 45 Milliarden US$. Hinzu kamen jeweils rund 10 Milliarden US$ aus den Hurrikanen Rita und Wilma sowie weitere signifikante versicherte Schäden aus den Stürmen Dennis, Stan und Emily.

Umdenken notwendig

Gleich zwei Aspekte prägten das Jahr 2005: ein Größtschaden durch Hurrikan Katrina und mehrere mittelgroße Schäden aus Hurrikanen. Nur ein Jahr nach dem in Originalwerten teuersten Naturkatastrophenjahr erwies sich, dass der Optimismus vieler Marktteilnehmer unbegründet war: 2004 war kein allein stehendes Ausnahmejahr.

Die Schadenbilanz der Jahre 2004 und 2005: Versicherter Marktschaden aus Hurrikanen

  • USA (nur Festland) ca. 95 Milliarden US$
  • Golf von Mexiko (Offshore) ca. 14 — 15 Milliarden US$
  • Karibik ca. 2 Milliarden US$
  • Mexiko ca. 2 Milliarden US$
  • Nordatlantik ca. 115 Milliarden US$ (USA, Karibik, Mexiko)

In allen genannten Regionen muss man bei der Bewertung von Hurrikanrisiken massiv umdenken. Dem Segment "USA Festland" kommt dabei besondere Bedeutung zu: Hoch versicherte Werte bedingen im Fall der Fälle hohe versicherte Kumulschäden.