Gefährdungskarten
Ein wichtiges Hilfsmittel bei der Bewältigung steigender Schadenrisiken sind
Gefährdungskarten. Die Bandbreite gefährdungskarten reicht von weltweiten Karten mit
Informationen über die verschiedensten Arten von Naturgefahren bis zur Analyse einer
konkreten Bedrohung an einem Ort, etwa durch Erdbeben oder Überschwemmung. Die
dargestellte Gefährdung kann sich auf einen einzelnen Ereignistyp beziehen (wie die neue
Erdbebengefährdungskarte für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die als Grundlage
für Baunormen herangezogen wird) oder alle potenziell auftretenden extremen
Naturereignisse berücksichtigen. Gefährdungskarten sind das Ergebnis gemessener,
beobachteter oder historisch überlieferter Ereignisse und deren statistischer Verarbeitung.
Gefährdungskarten sind die Grundlage für die Einteilung eines Gebiets in
Tarifzonen. Innerhalb der Zonen gelten dann die gleichen Tarife. "ZÜRS" (=
Zonierung für Überschwemmung und Rückstau) ist ein Beispiel für ein solches Tarifsystem
in Deutschland.
GIS
Ein wichtiges Hilfsmittel für die Erstellung von Gefährdungskarten sind
Geographische Informationssysteme (GIS). Mit ihrer Hilfe können nicht nur geographische
Daten mit Ereignisdaten überlagert (verschnitten) werden, sondern insbesondere auch
versicherungstechnische Daten wie durchschnittliche Gebäudewerte oder
Haftungsverteilungen anschaulich gemacht werden.
Das erleichtert nicht nur dem Versicherer, die Kumulgefahr aus seinem
Versicherungsbestand einzuschätzen, sondern auch der öffentlichen Verwaltung die
Übersicht über Schadenpotenziale, seien sie nun versichert oder nicht. Damit können
öffentliche Vorsorgemaßnahmen oder Fluchtwege besser geplant werden. Insbesondere bei
der Deckung von Überschwemmungsschäden kommt es darauf an, die sehr großen
Gefährdungsunterschiede, die oft auf geringer Fläche vorliegen, richtig zu erfassen und
zu bewerten und daraus die geeigneten Konsequenzen für den Versicherungsschutz zu ziehen.
GeoRisikoForschung verfügt außerdem über ein einzigartiges
Naturkatastrophenarchiv, das für die Bewertung heutiger Katastrophenschäden eine
wichtige Basis ist: die MRNatCatService-Datenbank. Seit 1975 werden hier
Schadenmeldungen aus aller Welt im Zusammenhang mit Naturereignissen erfasst und
analysiert. Darüber hinaus werden auch aus der Zeit vor 1975 "große" Naturkatastrophen
nachrecherchiert und dokumentiert. Je mehr Schadenereignisse aus der Vergangenheit
erfasst sind, desto besser sind künftige Schadenentwicklungen absehbar und "Trends" der
Naturereignisse werden erkennbar.
« vorherige Seite