Naturgefahren und Versicherung

Die Münchener Rück ist als Rückversicherer von den wachsenden Schäden aus Naturkatastrophen in besonderer Weise betroffen. Einerseits steht sie als zuverlässiger Partner konsequent für den Ausgleich von Schäden ein. Andererseits hat sie — ganz im Sinne der Versicherten — dafür zu sorgen, dass Schadenzahlungen nicht überhand nehmen, damit sie als Rückversicherer leistungsfähig bleibt. Denn: Die teuerste Versicherung ist die, die im Ernstfall nicht bezahlt

Folgende Versicherungstechniken und -mechanismen können helfen, den steigenden Schadenbelastungen besser gerecht zu werden:

  • Risikogerechte Prämien: Risikoadäquate Preise und Konditionen sind ein zentrales Qualitätsmerkmal von Rückversicherern, denn sie garantieren die Nachhaltigkeit von Geschäftsbeziehungen. Grundlage der Prämiengestaltung ist das durchschnittliche jährliche Schadenpotenzial. Mithilfe des von der GeoRisikoForschung entwickelten Rechenmodells MRHazard zur Abschätzung von Naturgefahrenrisiken werden PML-Sätze ermittelt und die Prämien aus der Schadenvergangenheit errechnet (= retrospektives Underwriting). Daneben forciert die Münchener Rück prospektives Underwriting, das auch die künftigen Schadentrends miteinberechnet
  • Schadenpotenzial: Eine wichtige Größe ist hier der so genannte PML (= probable maximum loss). Darunter versteht man den geschätzten, wahrscheinlich höchsten Schaden, mit dem ein Versicherer bei einem bestimmten Ereignis rechnen muss. Er errechnet sich anhand der Relationen von Ereignisstärke und dem erwarteten Schaden. Wichtig ist, dass der PML kein ?worst case scenario? im Sinne eines absoluten Größtschadens ist. Es handelt sich um einen "probable maximum loss", also um den Schaden, zu dem es bei einer noch realistischen Eintrittswahrscheinlichkeit (die übrigens jeder Versicherer je nach Risikobereitschaft und Kapitalausstattung selbst bestimmt) kommen könnte. Der PML ist eine wichtige Größe, um sich gegen außergewöhnliche Schäden zu schützen, welche die Kapitalkraft eines Unternehmens übersteigen und somit seinen finanziellen Ruin bedeuten könnten. Die Höhe der durchschnittlichen jährlichen Schadenerwartung (AAL = average annual loss) entspricht der Höhe der Nettoprämie und wird aus der Integration über alle Schäden entwickelt.
  • Kumulkontrolle: Bei der Kumulkontrolle werden Risiken nach räumlicher Verteilung und nach Risikoklassen (etwa Wohnhaus oder Industrienanlage) erfasst. GeoRisikoForschung definiert so genannte Kumulerfassungszonen als abgegrenzte räumliche Einheiten für die Kumulkontrolle. Die Erfassung der Haftungen liefert die Eingangsdaten für die Georisikomodelle (MRHazard) und ist damit Grundlage für die Berechnung von PML und Preisen. Die Zukunft der Kumulkontrolle weist in die Richtung einer immer präziseren, adressgenauen Erfassung der versicherten Objekte. "Geographical Underwriting" wird diese räumliche Referenzierung von uns genannt. Dazu werden in der GeoRisikoForschung entsprechende Tools entwickelt.
  • Franchisen oder Selbstbehalte: Franchisen (frz. franchise = Freibetrag) haben zwei Funktionen: Einerseits schaffen sie beim Versicherungsnehmer einen Anreiz zur Schadenprävention. Andererseits verringern sie — bei Großkatastrophen mit einer hohen Anzahl von Einzelschäden — die Anzahl kleinerer Schäden, die zu regulieren sind. Dies ermöglicht im Gegenzug, die Prämien entsprechend zu reduzieren. Die Höhe der Prämienreduzierung und Varianten für entsprechende Selbstbehalte können von der GeoRisikoForschung mit MRHazard ermittelt werden.
  • Limitierung der Haftungen:
  • Rückversicherung: Grundlage ist der mit MRHazard errechnete PML.
  • Schadenverhütung bzw. -vorbeugung: Verringerung der Risiken vor Ort bzw. am Objekt. Solches Verhalten setzt ein hohes Risikobewusstsein beim Versicherungsnehmer bzw. bei Behörden voraus. Zu vermehrtem Risikobewusstsein trägt die GeoRisikoForschung durch entsprechende Veröffentlichungen, Seminare, Vorträge und Medienauftritte bei — und versucht so, ihr Fachwissen zum Versicherungssektor an die Öffentlichkeit und zu den Entscheidungsträgern politischer Gremien zu tragen.

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