Neue Horizonte: Innovative Anwendungen

Die vielfältigen Visualisierungsmöglichkeiten erschließen dem Anwender völlig neue Horizonte – im Hinblick auf regionale Risikokonzentrationen sowie auf potenzielle Gefahrenpunkte des Portfolios, die Hot Spots.

Oft enthalten Haftungsbestände Sammel- oder Multi-Location-Policen, die vor allem im Vertragsgeschäft nur schwer identifizierbar sind. Häufig handelt es sich dabei um Firmenketten, deren Referenzadresse sich nur auf die Hauptverwaltung bezieht. Nicht berücksichtigt werden dann weitere, an anderen Orten gelegene Risiken der Police.

Die unangenehme Folge: Exponierungen können falsch eingeschätzt werden. Das Problem der „unbekannten Kumule“ lässt sich dank Geoinformation jedoch lösen, wenn alle Einzelobjekte, die unter einer Sammelpolice zusammengefasst sind, mit Adresse und Haftungssumme verfügbar sind.

Mehr noch: Werden Bestandsinformationen mit Erdbeben-, Sturm- oder Überschwemmungskarten angereichert, kann man ein Einzelrisiko oder ein gesamtes Portfolio auf seine Naturgefahrenexponierung durchleuchten.

Fast grenzenloser Anwendungsbereich

Einige Versicherungsbranchen arbeiten traditionell mit Geoinformationen, etwa die Agrarversicherung, wenn Ernteerträge vorhergesagt oder Ernteschäden nach Hagel, Sturm, Dürre oder Frost ermittelt werden. Doch in Kürze wird hier ein satellitengestütztes Verfahren zum Einsatz kommen, das ein permanentes Monitoring von Anbauflächen und ihren Erträgen gewährleistet.

Zu den interessanten Spezialanwendungen gehört die Risikoanalyse von Aquakulturen. Da die Zahl kommerzieller Fischfarmen weltweit steigt, sind hier Informationen über die Ausbreitung toxischer Algen oder spezieller Fischkrankheiten ebenso wertvoll wie Daten von Sturm- und Wellenschäden.

Auch der Energiesektor nutzt GIS: So können heute tausende stationäre und mobile Offshore-Ölplattformen im Golf von Mexiko weit besser auf ihre Hurrikanexponierung kontrolliert werden als noch vor wenigen Jahren. Da jedoch Wassertiefen bzw. maximale Wellenhöhen genauso wichtige Geogrößen sind, werden künftige Analyseverfahren zusätzlich die Pipeline- und Pumpsysteme unter der Meeresoberfläche berücksichtigen. Bei einem Schaden können sie beträchtliche Kosten durch Betriebsunterbrechung verursachen.

Analog kann auf dem noch sehr jungen und dynamischen Markt der Offshore-Windenergieanlagen vorgegangen werden, denn auch hier sind Leitungen, die im Wasser verlaufen, besonders gefährdet.

Aufgrund veränderter gesetzlicher Regelungen, etwa der neuen EU-Umwelthaftungsrichtlinie, rückt erstmals die Umwelthaftpflichtversicherung in den Blickpunkt der GIS-Anwendungen. Hier gilt es zunächst, mehr darüber zu erfahren, wie weit die versicherten Objekte von schützenswerten Arealen, also Naturschutz- oder Wasserschutzgebieten, entfernt sind.

Geoinformationslösungen für Lebens- und Krankenversicherungen

Und Geoinformation auf dem Lebens- und Krankenversicherungsmarkt? Auch für diese auf den ersten Blick überraschende Kombination gibt es Lösungen. Auf dem englischen Markt werden Gruppenlebensversicherungen vor dem Hintergrund des Terrorismus mit Geoanalysen evaluiert. Der große Vorteil: Innerstädtische Kumule können frühzeitig erkannt und vermieden werden. Per Onlinezugriff prüfen Erstversicherer daher im System RADAR der Münchener Rück UK Life Branch verfügbare Kapazitäten.

Und die Mercur Assistance der Münchener-Rück-Gruppe ist schließlich ein Beispiel dafür, dass Assistance-Dienste ebenfalls verstärkt Geodaten einsetzen. Auf diese Weise können Callcenter ihre Kunden auf Reisen, im Krankheitsfall oder nach Unfällen noch effizienter betreuen – sei es bei Rücktransporten aus dem Ausland oder der medizinischen Versorgung vor Ort.

Das Schadenmanagement profitiert genauso

Gerade in jüngster Zeit wurden verstärkt GIS-Lösungen entwickelt, die das Schadenmanagement unterstützen. Eine Verknüpfung aktueller Wetter- oder Überschwemmungsinformationen mit Bestandsdaten ermöglicht der Schadenprüfung, betroffene und nicht betroffene Risiken klar abzugrenzen. So bietet zum Beispiel der Informationsdienst BLIDS von Siemens schnell Angaben darüber, wo und wann Blitzeinschläge auftreten, wie stark sie sind oder wie sich Gewitter entwickeln.

Für BLIDS steht ein Netz von Messstationen bereit, das Blitzeinschläge bis auf 300 Meter lokalisiert. Georeferenzierte Informationen machen es nach einem Blitzschlag möglich, zweifelhafte Schadenmeldungen eindeutig zu verifizieren.

Doch für die Prävention gibt es ebenso erfolgreiche Systeme in der Branche. Zum Beispiel wurden durch die Zusammenarbeit mit Wetterdiensten Warnservices entwickelt, mit denen die Versicherungsnehmer schadenmindernde Maßnahmen vornehmen können. Und nach einem Unwetter setzt der CatLossEstimation-Service der Münchener Rück an, der das Schadenausmaß des betroffenen Portfolios analysiert.

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