Megastädte in Atemnot — Risiken für Umwelt und Gesundheit

Millionen von Privathaushalten, Industrie, Gewerbe und Transport - boomende Megastädte bringen auch Nebenwirkungen mit sich. Dazu gehören mitunter schlechte Noten bei der Luft-, Wasser- und Bodenqualität. Doch die Schädigung dieser natürlichen Ressourcen hat ihren Preis: Sie schlägt sich unweigerlich auf die Gesundheit der Menschen nieder.

Die Hälfte der 6 Milliarden Menschen auf der Erde lebt heute in Städten. Vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Trend zur Landflucht ungebrochen. Rasches Wachstum, hohe Bevölkerungsdichte, dazu Industrie und Verkehr auf engem Raum - da sind Umweltbelastungen beinahe unausweichlich. Besonders betroffen sind Luft, Gewässer und Böden. Oft fehlen Umweltstandards gänzlich oder die Behörden sind damit überfordert, diese durchzusetzen.

Boden und Grundwasser speichern Schadstoffe

Giftige Schwermetalle und andere Schadstoffe von Industrie, Gewerbe und Verkehr gelangen über die Luft in den Boden. Der Boden wirkt wie ein Filter, die Schwermetalle erreichen deshalb meist nicht das Grundwasser. Da sie aber - anders als organische Verbindungen - nicht abbaubar sind, reichern sie sich im Boden an. Sie werden von dort wachsenden Pflanzen aufgenommen und gelangen so wieder in die Nahrungskette.

Flüssig eingeleitete Schadstoffe werden hingegen vom Boden oft nicht zurückgehalten. Sie sickern direkt durch bis ins Grundwasser und belasten dort die Trinkwasserreserven. Punktuelle Schadstoffeinleitungen stammen etwa von Industrie- oder Gewerbebetrieben (z. B. einer Tankstelle); flächendeckende Verschmutzungen sind meist Folge undichter Abwasserkanäle.

Abwasser: die Hinterlassenschaft unserer Gesellschaft

Im Jahr 2000 besaßen weltweit 400 Millionen Stadtbewohner keine Toiletten. In Verbindung mit schlechter Trinkwasserversorgung ist das eine der Ursachen von tödlichen Durchfallerkrankungen. Die in der nördlichen Hemisphäre entwickelten Technologien zur Abwasserentsorgung sind sehr wasser- und kostenintensiv (bis zu 150 € pro Einwohner und Jahr). Für ärmere Länder sind solche Technologien meist unbezahlbar bzw. aus Wassermangel schlicht nicht anwendbar. Ein Großteil der Menschen in Megastädten ist daher auch heute noch nicht an eine Abwasserentsorgung angeschlossen. Selbst einige europäische Großstädte leiten bis heute ihre Abwässer ungeklärt in Flüsse ein.

Megastädte erzeugen Müllflut

Gerade in Megastädten, wo viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben, gibt es ein Müllproblem. Voraussetzung für die Bewältigung der Müllflut ist es, diese geregelt zu entsorgen - geschieht dies nicht wie in vielen improvisierten Siedlungen, dann drohen gesundheitliche Folgen. Müllberge entstehen, die oft als Lebensraum für Familien oder als Spielplatz für Kinder dienen. Beengte Lebensverhältnisse unter oft unhygienischsten Bedingungen bieten beste Brutstätten und kurze Übertragungswege für Krankheitskeime und Erreger. So breiteten sich in den vergangenen Jahren in Großstädten immer häufiger Gelbfieber, Malaria und Denguefieber aus - Krankheiten, die eigentlich vor allem auf dem Land auftreten.

Über den Städten herrscht "dicke Luft"

Ein Hauptproblem ist Dieselruß - ein Produkt aus der Verbrennung von Dieselkraftstoff. Hauptverantwortlich sind Dieselfahrzeuge, also vor allem Lkw und Busse. Die Krebs erregende Wirkung kleiner Rußpartikel ist heute unbestritten. In chinesischen Städten sterben etwa sechsmal so viele Menschen an Lungenkrebs wie im Landesdurchschnitt. Auch Stickoxide sind ein wichtiger Faktor für schlechte Luftqualität. Sie werden bei Verbrennungsprozessen mit hohen Temperaturen freigesetzt, etwa wenn Treibstoff in Automotoren verbrennt. Stickoxide haben ebenfalls gesundheitsschädigende Wirkung - sie reagieren außerdem bei starker Sonneneinstrahlung mit anderen chemischen Verbindungen der Luft zu Ozon. Das Ergebnis sind erhöhte Boden-Ozonwerte, auch "Sommersmog" genannt.

Infektionskrankheiten haben leichtes Spiel

Das Zusammenleben vieler Menschen auf engstem Raum macht die Bewohner der Großstädte anfällig für Infektionskrankheiten. Durch Luftverschmutzung, unzureichende Ernährung und mangelnde medizinische Versorgung sind viele Menschen bereits geschwächt. Ein Tuberkulosekranker in den ärmsten Wohngegenden infiziert im Durchschnitt 10 bis 15 Personen pro Jahr - oft Familienangehörige. Resistenzen des Erregers sowie lange und teure Therapien lassen diese Krankheit auch in Großstädten reicher Länder zum Problem werden.

Die rasche Zunahme von Reisen und Handel sowie der Zuzug in die Städte begünstigt außerdem eine schnelle und globale Verbreitung von Krankheiten. Das betrifft vor allem sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV, Hepatitis B und C oder Papillomavirusinfektionen, die zu Krebs führen können.