Wetter und Klima in Megastädten

Stadtmenschen kennen dies: Irgendwie ist bei ihnen das Wetter immer anders. Großstädte haben eben ihr eigenes Klima. Und das ist zum Teil auch noch hausgemacht. Denn Städte sind selbst "Verursacher" ihrer veränderten Klimaverhältnisse. Gleichzeitig sind sie von diesen in besonderer Weise betroffen: Wetterextreme haben gerade hier weitreichendere Folgen als anderswo. Für Versicherer finden sich hier gewaltige Schadenpotenziale.

Megastädte — Megamagneten. Für immer mehr Menschen ist die Stadt inzwischen der Lebensraum Nummer 1. In den 50er-Jahren lebten knapp 30 % der Weltbevölkerung (damals insgesamt rund 2,5 Milliarden) in Städten — heute sind es schon 50 % (von 6 Milliarden) und im Jahr 2025 werden es 60 % (von 8,3 Milliarden) sein. Industrie, Gewerbe und Infrastruktur, dazu die Anbindung an Energie- und Transporteinrichtungen in Städten bieten hoffnungsvolle Perspektiven auf Beschäftigung und Wohlstand. Doch es scheint, Megastädte prägen und beeinflussen auch Wetter und Klima — und zwar lokal wie global:

Städte sind Wärmeinseln

Sommers wie winters liegen in den Städten die Temperaturen um einige Grad höher (teilweise bis zu 10 Grad). Sommerliche Wetterextreme wie Hitzewellen oder Gewitter treten häufiger auf — extreme Witterungen der kalten Jahreszeit dagegen (Kältewellen, Schnee) werden gedämpft.

Es gibt weniger Sonnenschein ...

Die Sonneneinstrahlung ist in Großstädten geringer. Industrie, Verkehr und private Haushalte geben Abgase und andere Schadstoffe, Schmutz- und Staubpartikel ab, die nicht in die höhere Atmosphäre gelangen, sondern sich wie eine Dunstglocke über die Innenstädte legen. Neben nachteiligen, gesundheitlichen Wirkungen (Smog, Erkrankungen der Atemwege, Allergien) mindern sie auch die Sonnenstrahlung. Denn: Ruß und Staubpartikel reflektieren und streuen die Sonnenstrahlen.

... und es weht ein anderer Wind

In Städten herrscht auch ein besonderes Windklima. In geraden, langen Straßenschluchten kommt es zu Düseneffekten mit hohen Windgeschwindigkeiten. Im Umfeld, meist leeseitig von hohen Gebäuden können starke Verwirbelungen und Windbeschleunigungen auftreten. Die typischen Wolkenkratzergebiete in Stadtzentren sind deshalb besonders prädestiniert für starke, böenreiche Winde.

Megastädte haben auch globale Wirkungen

Doch nicht nur das Klima in der unmittelbaren Umgebung ist betroffen. Städte sind wahre Großöfen des Treibhauseffekts: Obwohl sie nur 0,4 % der Erdoberfläche bedecken, emittieren sie rund 80 % der klimawirksamen Treibhausgase.

Wetter- und Klimaveränderungen sind also zumindest zum Teil von Städten selbst verursacht. Darüber hinaus wirken sie sich in Städten verschärft aus — große Städte sind besonders anfällig für Schäden und werden regelmäßig stark in Mitleidenschaft gezogen.

Wolkenkratzer sind Blitzmagneten

Die hoch aufragenden Gebäude vieler Großstädte (die typischen Wolkenkratzer, Türme, Masten, Antennen) ziehen Blitze regelrecht an. Wegen der zunehmenden Anfälligkeit elektronischer Geräte für Überspannungen bleiben Schäden nicht auf den Ort des Blitzeinschlags begrenzt, sondern breiten sich oft in einem Umfeld von mehreren Quadratkilometern aus, wo sie weitere Schäden hervorrufen.

Klimawandel bringt mehr Hagel, Stürme und Überschwemmungen

Als Folge des Klimawandels wird künftig damit zu rechnen sein, dass vermehrt Wetterextremereignisse wie Sturm, Hagel und Überschwemmungen auftreten. Die Silhouette einer Großstadt mag zwar zunächst durch ihre erhöhte Oberflächenrauhigkeit herannahende Stürme abbremsen — diese lösen aber in/an den Städten oft erhebliche Schäden aus, zum Teil gar aufgrund von Dominoeffekten: Hohe Windgeschwindigkeiten reißen Dachziegel oder Fassadenteile ab, die Nachbargebäude beschädigen, von denen sich weitere Trümmerteile lösen, die wiederum Schäden an Straßen und Gebäuden verursachen.

Hagelschlag kann wegen der in den Städten konzentrierten Werte (Kraftfahrzeuge, Gebäude, Versorgungseinrichtungen usw.) ebenfalls mit einem einzigen Ereignis erhebliche Schäden anrichten. Da Stadtflächen größtenteils versiegelt sind, kann das Wasser nicht versickern — es muss größtenteils oberirdisch ablaufen. Bei Starkregenereignissen ist deshalb der Wasserabfluss erschwert, Kanalisationssysteme sind meist überfordert. Folge: Aus Starkregenereignissen entwickeln sich regelmäßig Überschwemmungen.

Megastädte sind abhängig von funktionierender Infrastruktur

Entscheidend ist, dass man stadtklimatische Effekte bereits bei der Planung beachtet. Versicherer müssen in Megastädten mit hohen Schadenkumulen rechnen und die hoch versicherten Stadt- und Vorortbezirke in ihren Szenarien berücksichtigen. Sie müssen sich bewusst sein, dass Wetter und Klima in Megastädten ihre eigenen Gesetze haben.