Global Roundtable on Climate Change
Trotz mäßiger politischer Fortschritte: Die Wirtschaft nimmt den Klimawandel mittlerweile ernst. Das zeigt die Resonanz auf die Stern-Studie ebenso wie der "Global Roundtable on Climate Change", den Jeffrey Sachs, ein renommierter Ökonom von der Columbia University in New York, initiierte. Mehr als 150 führende internationale Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik, Forschung sowie NGOs gehören dazu, wir sind seit der Gründung 2005 Mitglied.
Ziel ist, eine globale Perspektive und Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels zu entwickeln, die ökonomische, wissenschaftliche und technische Aspekte berücksichtigen. Ein Statement des Roundtables, das im ersten Quartal 2007 veröffentlicht wurde, fordert die Ökonomien zu verbesserter Energieeffizienz und klimagasneutraler Energieerzeugung auf, um den atmosphärischen Treibhausgasgehalt bei höchstens 560 ppm CO2 zu stabilisieren.
Da einzelne Länder unterschiedliche Emissionsanteile und Entwicklungsstände aufweisen, gilt das Prinzip der gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung. Randbedingung, um das Ziel zu erreichen: Kohlendioxidausstöße müssen einen Weltmarktpreis erhalten, analog zum europäischen Emissionsrechtehandel.
Für die Finanzund Versicherungswirtschaft eröffnen sich damit neue Produkte, Märkte und Investitionssektoren: erneuerbare Energien; neue Energietechnologien, z. B. Carbon-Captureand-Storage; Finanzierung und Versicherung der Kioto-Mechanismen sowie Public-Private Partnerships, um nur einige zu nennen.
Klimaschutzregelungen in den USA
2005 haben sich in den USA sieben Ostküstenstaaten in der Regional Greenhouse Gas Initiative (RGGI) vertraglich verpflichtet, zwischen 2009 und 2014 die Emissionsbudgets für die Energieerzeugung, die den Einzelstaaten zugewiesen wurden, konstant zu halten. Ab 2015 sollen sie dann um 2,5 % pro Jahr verringert werden. 2019 wird das Emissionsniveau folglich 10 % niedriger liegen als 2009 bzw. um 35 % geringer sein als ohne Reduktionsverpflichtung.
Gleichzeitig wird so ein regionales Handelssystem für den CO2-Ausstoß etabliert. Weitere Staaten haben ähnliche Initiativen gegründet. Gouverneur Schwarzenegger unterzeichnete im September 2006 ein Gesetz, nach dem Kalifornien, weltweit zwölftgrößter CO2-Produzent, seine Emissionen bis 2020 auf das Niveau von 1990 zurückführen wird — eine Verringerung um 25 %. Bis 2050 sollen die Ausstöße sogar um 80 % niedriger sein als 1990. Kalifornien und die RGGI(Regional Greenhouse Gas Initiative)-Staaten stehen für etwa ein Viertel der US-amerikanischen Bevölkerung und rund 30 % der US-Wirtschaft.
Internationaler Workshop zu globalen Schadentrends
Die Assekuranz ist unmittelbar von Schäden aufgrund des Klimawandels betroffen. Auf dem internationalen Workshop "Climate Change and Disaster Losses: Understanding and Attributing Trends and Projections", den wir gemeinsam mit der University of Colorado veranstalteten, erarbeiteten 32 hochkarätige Experten aus 13 Ländern Antworten auf folgende Fragen:
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Welche Faktoren sind für den Kostenanstieg wetterbedingter Katastrophen in den vergangenen Jahrzehnten
verantwortlich?
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Welche Auswirkungen haben diese Erkenntnisse auf Forschung und Politik?
Die Teilnehmer kamen aus der Wissenschaft (u. a. DIW, PIK, Tyndall Center, Harvard Medical School), von Consulting-Unternehmen (RMS, Risk Frontiers), dem amerikanischen Wetterdienst, der WMO und der Assekuranz (Swiss Re, Axa Re). Ergebnis der Konferenz in Hohenkammer bei München ist ein Konsenspapier, das den Klimawandel als relevanten Einflussfaktor für Schäden ausmacht.
Gefahr erkannt — Weichen gestellt
Stern-Report, Global Roundtable, Schadenanalysen der Assekuranz sowie die Ergebnisse von Nairobi und die Klimaschutzregelungen in den USA machen deutlich: Die Ökonomie nimmt den Klimawandel ernst; die politischen Bemühungen, einen ordnungspolitischen Rahmen zu setzten, gewinnen Gestalt. Gleichzeitig sieht man die Chance für neue wirtschaftliche Optionen. Um diese Entwicklung zu stabilisieren und ihr Dynamik zu verleihen, muss sich die Politik auf ein Kioto-plus-Regime einigen.
Die Versicherungsbranche muss den Klimawandel bei der Risikomessung berücksichtigen und ihre Produkte anpassen — auf europäischer Ebene wächst diese Einsicht: Eine Studie zum Klimawandel des europäischen Versicherungsverbands (Comité Européen des Assurances), die auch auf unsere Analysen zurückgreift, wurde im Januar dem EUParlament vorgestellt (www.cea.assur.org). Diese Veranstaltung reiht sich ein in eine Vielzahl von Initiativen der Assekuranz, bei den Entscheidungsträgern das Bewusstsein für die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels zu schärfen.
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