Ökonomie im Bann des Klimawandels

Stern-Report, Global Roundtable, Schadenanalysen der Assekuranz sowie die Ergebnisse von Nairobi und die Klimaschutzregelungen in den USA machen deutlich: Die Ökonomie nimmt den Klimawandel ernst; die politischen Bemühungen, einen ordnungspolitischen Rahmen zu setzten, gewinnen Gestalt.

Häufigere und intensivere Naturkatastrophen gehen auch den Kapitalmärkten nicht spurlos vorüber, im Gegenteil: Verlust von Rohstoffen, beschädigte Produktionsstätten und Betriebsunterbrechungen spiegeln sich in Unternehmensergebnissen und Aktienkursen wider. Hinzu kommen die schleichenden Folgen des Klimawandels, unter denen etwa Branchen wie die Landwirtschaft, der Tourismus oder der Gesundheitssektor leiden. Letztlich ist die Leistungsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften betroffen.

Diskussionen über die makroökonomischen Auswirkungen es schon lange. Mit seiner Studie stellte Sir Nicholas erstmals eine umfassende und quantitative Analyse Folgen des Klimawandels und der nötigen Handlungsoptionen vor.

Stern-Report

Oktober 2006 präsentierte Sir Nicholas Stern, ehemaliger Chefvolkswirt und Vizepräsident der Weltbank, den Bericht über "Die Ökonomie des Klimawandels", der im Auftrag der britischen Regierung erstellt wurde. Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es jemals gab, lautet eine zentrale These des Wissenschaftlers. Seine Prognose: Bis Mitte dieses Jahrhunderts beziffert sich jährliche Verlust auf mindestens 5 % des weltweiten Wachstums, aktuell errechnen sich daraus rund 2.200 Milliarden US$.

Berücksichtigt man zudem die Auswirkungen Umwelt und Gesundheit sowie Rückkopplungseffekte, könnten es sogar bis maximal 20 % (rund 9.000 Milliarden des jährlichen Weltsozialprodukts (GDP) sein. Im Gegensatz dazu geht die Studie davon aus, dass sich die Kosten auf lediglich 1 % des Welt-GDP pro Jahr oder 445 Milliarden US$ belaufen, wenn gehandelt wird. Handeln bedeutet: Der gefährliche Schwellenbereich von 2 °C Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau wird vermieden.

Soll dieses Ziel umgesetzt werden, müsste der atmosphärische Treibhausgasgehalt auf maximal 550 millionstel Volumenanteile Kohlendioxid (alle Klimagase in CO2-Äquivalente umgerechnet) stabilisiert werden. Die weltweiten Emissionen müssten in den kommenden 10 bis 20 Jahren ihr Maximum erreichen und danach mit 1–3 % pro Jahr zurückgehen. 2050 sollten sie 25 % unter dem heutigen Niveau liegen. Vergleicht man die Kosten des Handelns mit den Folgekosten des Nicht-Handelns, ist Klimaschutz die einzige ökonomisch sinnvolle Alternative.

Die Rolle der Assekuranz

Entscheidend ist neben der Vermeidung künftiger Emissionen, die Anpassung an jene Folgen zu finanzieren, die nicht mehr zu verhindern sind. Denkt man Stern weiter, spielt die Versicherungswirtschaft hier eine zentrale Rolle. Sie stellt Versicherungslösungen zur Verfügung, um die monetären Schäden abzufedern. Die Münchener Rück versteht den Klimawandel als zentrales Thema und entwickelt als Mitbegründer der Munich Climate Insurance Initiative Instrumente mit Versicherungsbezug. Zielgruppe sind Länder und Regionen, die am stärksten betroffen sind.

Weltklimagipfel in Nairobi

Im Licht des Stern-Reports sind auch die politischen Bemühungen der Weltklimakonferenz in Nairobi zu bewerten; auch hier wurde die Finanzierung der Anpassung betont. Im Mittelpunkt stand jedoch ein Nachfolgeabkommen für Kioto nach 2012 (Kioto plus), das die Weltgemeinschaft spätestens im Jahr 2009 beschließen muss. Voraussetzung: Die Verhandlungen müssen 2007 starten. Die Option dafür hat die Konferenz gewahrt, indem sie vereinbarte, dass das Kioto-Protokoll auf seine Wirkung überprüft wird (Artikel 9 des Protokolls).

Nun ist es Sache der Regierungschefs, die Verhandlungen offiziell zu beginnen. Der G8-plus-E5-Gipfel sowie die EU, die im ersten Halbjahr 2007 unter deutscher Präsidentschaft stehen, wären geeignete Foren, um klare Zeichen zu setzen.

Gestärkt wurden Maßnahmen für besonders betroffene Regionen. So erhalten ärmere Staaten Gelder aus einem Anpassungsfonds. Ihn finanziert eine Abgabe von 2 % auf den Handel mit CDM-Zertifikaten (Clean Development Mechanism) — ein ausbaufähiges Instrument, das es ermöglicht, einen Teil der Anpassung in Entwicklungsländern zu bezahlen.

Da die CDM-Projekte deutlich zunehmen, dürften die Mittel dafür kräftig steigen. Dennoch kann dies nur ein Anfang sein (bis 2012 ca. 250 bis 300 Millionen US$). Die EU will mit einem weiteren Risikokapitalfonds die Verbreitung klimafreundlicher Energietechnologien in Afrika fördern. Er wird in den nächsten vier Jahren mit 80 Millionen € aufgefüllt und soll klimafreundliche Investitionen von ca. 1,25 Milliarden € anstoßen.

In den Kontext dieser Maßnahmen gehört das von uns konzipierte Kioto-Multi-Risk-Konzept. Investoren, die in CDM- oder JI-Projekten aktiv sind (dazu zählen Banken, Fonds und Projektbetreiber), können damit für Schäden kompensiert werden, die entstehen, wenn ein Projekt nicht die vereinbarte Menge an Emissionsrechten liefert.

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