Hochwasser und Seeausbrüche

Ein Rückgang der Gletscher verursacht jedoch nicht nur Wasserknappheit und niedrige Flusspegel, auch das Gegenteil ist möglich: Hochwasser. Während die Schnee- und Firnschichten des Gletschers Regenniederschläge normalerweise zwischenspeichern und damit nur verlangsamt dem Abfluss zuführen, gelangt das Wasser auf einer ausgeaperten (schneefreien) Gletscheroberfläche unmittelbar in den Gletscherbach.

Dort überlagert sich das Wasser mit der ohnehin hohen Schmelzwassergrundlast und erhöht damit den Hochwasserscheitel . In diesem Fall ist die Gletscherschmelze zwar nicht der Auslöser eines Hochwassers, verstärkt es jedoch.

Dramatischere Folgen kann der Gletscherschwund haben, wenn das Schmelzwasser durch eine vor der Gletscherfront liegende Moräne (Stirnmoräne) gestaut wird und einen so genannten "proglazialen See" bildet. Der Stirnmoränenwall besteht hautsächlich aus Material, das vom Gletscher während eines früheren Vorstoßes abgelagert wurde.

Der steigende Schmelzwassereintrag kann den See zum Überlaufen bringen oder den Moränendamm erodieren, so dass eine Sturzflut aus Wasser, Eis und Geröll droht. Aktuell besteht die Gefahr einer so genannten GLOF (Glacial Lake Outburst Flood) an zahlreichen Gletschern der Schweiz (z.B. am Grubengletscher im Kanton Wallis, am Triftgletscher im Kanton Bern) oder in Nepal, wo 2300 der 3300 Gletscher Seen speisen.

Gletscherseen können aber auch durch vorrückende Gletscher entstehen, wenn ein Seitental durch die Eismassen abgeriegelt und ein Fließgewässer gestaut wird.