Rückzug der Gletscher

Die Gletscher der Erde schmelzen - nicht erst seit dem "Jahrhundertsommer" 2003. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die gesamte Gletscherfläche der Alpen um rund 30 bis 40 %, weltweit sogar um 50 % verringert.

Die oft als "Fieberthermometer der Erde" bezeichneten Eisriesen reagierten dabei auf den Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 0,7 °C in diesem Zeitraum. Obwohl die Alpen seit dem Ende der letzten Kaltzeit vor ca. 10 000 Jahren mehrere Male - zuletzt in der Römerzeit - zu einem großen Teil eisfrei waren, wirkt sich der derzeitige Gletscherschwund weitaus dramatischer auf den Menschen aus, da die Alpen heute viel dichter besiedelt sind. Auch die Vorländer hängen inzwischen viel stärker von den hydrologischen Prozessen im Hochgebirge ab.

Wasserhaushalt

Gletscher haben eine wichtige ausgleichende Wirkung auf den Wasserhaushalt der Gebirge und deren Vorländer: In niederschlagsreichen Jahren wird vermehrt Wasser zurückgehalten, da die Schneedecke, die sich auf dem Gletscher ansammelt, das Eis vor dem Schmelzen schützt. In trockeneren und wärmeren Jahren hingegen gleichen die Gletscher die geringeren Niederschlagsmengen durch eine höhere Schmelzwasserspende aus.

Wenn die Gletscher verschwinden, fehlt dieser kompensatorische Effekt; die jahreszeitlichen Schwankungen der Abflüsse können auch in den Tiefländern nicht mehr ausgeglichen werden. 90 % des Rheinwassers an der Mündung in die Nordsee waren im Sommer 2004 bereits bei Basel im Fluss, davon stammten wiederum 50 % aus der Schnee- und Eisschmelze.

Noch dramatischer sieht die Situation in den Trockengebieten der Erde aus: So stammen beispielsweise 70 % des Wassers im Ganges aus nepalesischen Flüssen, die hauptsächlich von Schmelzwasser gespeist werden. Der Aralsee erhält sein Wasser beinahe ausschließlich von den Gletschern des Tien-Shan und des Pamir.

Niedrige Pegelstände beeinträchtigen nicht nur die Schifffahrt, sondern sie erhöhen auch die Schadstoffkonzentration in den Flüssen. Fabriken müssen ihre Produktion drosseln, um die Grenzwerte des Schadstoffeintrags einzuhalten. Wasserkraftwerke produzieren weniger Strom, Atomkraftwerke können den Flüssen nicht mehr ausreichend Kühlwasser entnehmen. Nicht zuletzt sinkt der Grundwasserspiegel, was weit reichende Konsequenzen für die Pflanzenwelt, aber auch für die Trinkwassergewinnung und -neubildung haben kann.

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