Globale Auswirkungen
Auf globaler Ebene darf der Einfluss der Gletscherschmelze auf den Meeresspiegel nicht vernachlässigt werden. In den letzen 100 bis 150 Jahren stieg der Meeresspiegel um ungefähr 10-25 cm - ein Fünftel dieses Anstiegs ist auf den Schmelzwassereintrag der Festlandgletscher zurückzuführen, der Rest auf die temperaturbedingte Ausdehnung des Wassers.
Wissenschaftliche Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg um 50-95 cm bis zum Jahr 2100 aus. Besonderes Gewicht kommt hier den Inlandeisen von Arktis, Antarktis und Alaska zu. Würden alle festländischen Eismassen der Erde schmelzen, erhöhte sich der Meeresspiegel um bis zu 80 m. Darüber hinaus verändert der Süßwassereintrag durch das Schmelzwasser auch den Salzgehalt der Ozeane und beeinflusst damit die globalen Meeresströmungen und das Klimasystem.
Versicherungsrelevanz
Für die Versicherungswirtschaft sind die Gefahren, die das Rückschmelzen der Gletscher unmittelbar verursacht, zunächst von untergeordneter Bedeutung. Immerhin beziehen sich die meisten der hier beschriebenen Szenarien auf dünn besiedelte Regionen mit niedriger Werte- und Versicherungsdichte.
In den Alpen wird sich der Gletscherschwund weitaus stärker auf Menschen und Infrastruktur auswirken, da diese Region der am dichtesten besiedelte Gebirgsraum der Erde ist. In der Schweiz wurde daher ein Monitoring-Programm aufgestellt, in dem das Gefahrenpotenzial der Gletscher untersucht wird.
Die Informationen, die für diesen Artikel zusammengetragen wurden, zeigen, dass bei 53 der 84 beurteilten Schweizer Gletscher aus heutiger Sicht in den nächsten 10 bis 20 Jahren Ereignisse mit Schäden möglich sind — hauptsächlich durch Ausbrüche von Gletscherseen und Eislawinen.
Schon heute muss sich jedoch vor allem der Tourismussektor auf steigende Kosten und sinkende Einnahmen vorbereiten. Wenn die Durchschnittstemperaturen steigen und die Gletscher zurückschmelzen, ist die Zukunft zahlreicher Sommerskigebiete gefährdet; das Auftauen des Permafrostes beeinflusst die Stabilität von Liftanlagen und Berghütten.
Die Auswirkungen des Gletscherrückgangs auf die Tiefländer werden eher mittel- bis langfristig spürbar werden, wenn die hydrologischen Veränderungen im Hochgebirge auch auf Regionen mit höherer Wertedichte übergreifen und beispielsweise zu Trinkwassermangel, Verdienstausfall bei Schifffahrtsbetrieben, Kraftwerken oder anderen industriellen Einrichtungen führen.
Die Münchener Rück ist deshalb stark daran interessiert, die zukünftige Gletscherentwicklung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu erforschen. In der jüngeren Vergangenheit wurden bereits mehrere Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unterstützt.
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