Die Münchener Rück hat Katastrophenbonds in Höhe von 110 Millionen € für Stürme in Westeuropa platziert. Eignen sich solche alternativen Risikotransfers, um Risiken zu diversifizieren und Spitzenrisiken abzubauen?
Jeworrek: ART-Produkte wie Cat-Bonds ergänzen für die Münchener Rück die traditionellen Retrozessionsinstrumente, indem sie Risiken an den Kapitalmarkt weitergeben. Die Münchener Rück nutzt diese Instrumente aktiv, etwa bei der Ausgabe des PRIME-Capital-Bonds im Jahr 2000 zur Absicherung von Erdbeben in Kalifornien, von Hurrikanen in den USA und von Winterstürmen in Europa oder des im vierten Quartal 2005 platzierten Cat-Bonds AIOLOS für Winterstürme in Europa.
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Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Meinungsführerschaft zu erhalten — immer mit dem Ziel, die Kunden von unserem Wissen profitieren zu lassen.
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Sind ARTs ein neues Geschäftsfeld mit Potenzial und eignen sie sich eventuell über die üblichen Volumina hinaus als breit gestreutes Anlageinstrument?
Jeworrek: Der Markt entwickelt sich langsam, aber stetig: Für Rückversicherer erhöhen Alternative-Risk-Transfers die Preistransparenz und verringern die Kapitalintensität — sie können daher ein Bestandteil des Risiko- und Kapitalmanagements sein. In der Praxis erwies sich der begrenzte Investorenkreis für Cat-Bonds in der Vergangenheit bei einigen Transaktionen als bremsend. Die Situation hat sich mittlerweile deutlich verbessert: Vor wenigen Jahren, als die Münchener Rück ihren ersten Cat-Bond aufgelegt hat, waren kaum mehr als 100 Anleger bereit, ein Versicherungsrisiko als Investment einzugehen. Heute sind auf diesem Markt deutlich mehr Investoren. Die Deckung zu platzieren ist allerdings immer noch kompliziert, was im Wesentlichen daran liegt, dass keine standardisierten Produkte existieren.
Welche Vorteile bietet es, versicherungstechnische Risiken auf dem Kapitalmarkt zu platzieren?
Jeworrek: Uns als großer Rückversicherungsgesellschaft hilft es dabei, unser Risiko zu diversifizieren. Zudem ermöglicht es dem Markt, in Bereichen mit Spitzenexponierungen die teilweise fehlende Kapazität zu erhöhen. Und drittens: Wenn man dank standardisierter Instrumente eine permanente Preistransparenz erzielt, kann man über tägliches Trading eine verbesserte Preisdisziplin erreichen.
Stehen zur Absicherung des Risikos Naturgefahren auch Poollösungen zur Diskussion?
Jeworrek: In einigen Ländern existieren Poollösungen bereits, in der Schweiz etwa der so genannte Elementarschadenpool. Ähnliches gilt für Norwegen, Frankreich und Spanien. Auch in Japan wurde ein Erdbebenpool für den Bereich Wohngebäude eingerichtet, der die Haftung auf Versicherungswirtschaft und Staat verteilt. In den USA wurde ein Federal Flood Insurance Program ins Leben gerufen, das Überschwemmungsversicherung in besonders gefährdeten Regionen gewährt. Generell sollten Poollösungen aber nur als letzte Möglichkeit etabliert werden, Spitzenrisiken zu decken — letztlich trägt dabei immer der Staat die Haftung. Wir meinen, dass die private Versicherungswirtschaft der erste Adressat und mit ihrem Knowhow auch der bessere Risikoträger ist.
Wird die Münchener Rück ihrer Rolle als Meinungsführer beim Thema Naturkatastrophen weiterhin gerecht?
Jeworrek: Mit unserer Fachkompetenz bei Georisiken sind wir in der Rückversicherungswirtschaft weltweit führend. Wissenschaftlicher Sachverstand und die Vernetzung mit der weltweiten Wissenschaftlergemeinschaft zeichnen uns aus. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Meinungsführerschaft zu erhalten — immer mit dem Ziel, die Kunden von unserem Wissen profitieren zu lassen -, denn Meinungsführerschaft ist kein Selbstzweck. Unsere Erkenntnisse lassen wir in adäquate Versicherungslösungen und in gutes Risikomanagement einfließen.
Die Münchener Rück hat die Munich Climate Insurance Initiative ins Leben gerufen. Was genau ist das Ziel dieses Zusammenschlusses?
Jeworrek: Die Initiative setzt sich weltweit dafür ein, Versicherungslösungen für Entwicklungen zu finden, die der Klimawandel verursacht. Es sollen Produkte entwickelt werden, die von Microinsurance bis zur Klimasachdeckung reichen. Die MCII beweist, dass wir jenseits des traditionellen Rückversicherungsgeschäfts neue und innovative Lösungen in einem sich ändernden Risikoumfeld anstoßen. Sie ist weltweit einzigartig und bringt zentrale Global Player aus der Versicherungswirtschaft, UN-Organisationen, NGOs und der Wissenschaft, die alle über außerordentliches Renommee verfügen, an einen Tisch.
Durch den Klimawandel werden erneuerbare Energien immer bedeutender. Bestehen für dieses Segment ausreichend Versicherungslösungen?
Jeworrek: Wir unterstützen die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien intensiv. Dazu gehören sowohl die Deckung von Windkraftanlagen, die schon lange von uns angeboten wird, als auch die Begleitung von Explorationsvorhaben in der Geothermie. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Deckung der Geothermiebohrung in Unterhaching bei München — die Münchener Rück war dabei exklusiver Rückversicherer. Technologischer Fortschritt ist immer auch ein Versicherungsthema. Angefangen bei der Kreditversicherung für Projekte bis hin zu Lösungen im Engineering- oder im Feuerbereich für die Versicherung neuartiger Kraftwerke. Wir sind auf diesem Gebiet sehr aktiv.
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