Prof. Dr. Dr. Peter Höppe

Naturgefahren: Versicherung für die Ärmsten immer wichtiger

Wetterkatastrophen treffen Entwicklungsländer heftiger als Industrienationen. Weite Teile der Bevölkerung dort haben keinen Versicherungsschutz. Mit der "Munich Climate Insurance Initiative" hat die Münchener Rück eine Initiative gegründet, um Versicherungslösungen für die zunehmenden Schäden wetterbedingter Extremereignisse zu entwickeln.

In den Industrienationen setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass der Klimawandel nicht nur ein enormes Umweltproblem ist, sondern auch eine Herausforderung für die Volkswirtschaft, da Wetterkatastrophen milliardenteure Schäden verursachen.

Weitaus stärker betroffen sind jedoch die Entwicklungsländer. Ihre Volkswirtschaften sind weniger leistungsfähig und wesentlich verletzlicher. Deshalb können sie Schäden schlechter oder gar nicht verkraften. Von 1985 bis 1999 verursachten Naturkatastrophen in den Entwicklungsländern Schäden in Höhe von 13,4 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in den Industrienationen waren es dagegen nur 2,5 %.

Weder mit höheren Steuern noch mit Neuverschuldung können die meisten dieser Länder die Kosten für Unwetterschäden tragen. So sind etwa die Schulden der kleinen Karibik-Inselstaaten bereits so hoch, dass sie kaum weitere aufnehmen können.

Entwicklungshilfe wird immer mehr zum Reparaturkostenzuschuss

Die Spendenbereitschaft der Industrienationen und ihrer Bürger ist beachtlich, wenn Regionen, gerade in Entwicklungsländern, von Wetterkatastrophen heimgesucht werden. Spenden und Schenkungen finanzieren Medikamente, ärztliche Hilfe, Notunterkünfte oder den Wiederaufbau von Krankenhäusern, Straßen und Gebäuden.

Die Weltbank hat in den beiden vergangenen Jahrzehnten nach eigenen Angaben 38 Mrd. US$ Subventionen und Darlehen für Katastrophenhilfen an Entwicklungsländer gezahlt. Auch die Asiatische Entwicklungsbank berichtet von hohen Zahlungen für solche Zwecke. Das zeigt aber auch, dass ein wachsender Teil der Finanzhilfen nicht zur Entwicklung dieser Länder zur Verfügung steht, sondern für den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen verwendet wird, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Und den wiederum, davon sind die Wissenschaftler heute überzeugt, rufen in erster Linie die Treibhausgase der Industrienationen und Schwellenländer hervor.

Munich Climate Insurance Initiative (MCII)

Der Klimawandel bedroht Lebensgrundlagen und Gesundheit von Millionen Menschen und trifft besonders die Ärmsten der Armen, die bisher nicht abgesichert sind. Die Münchener Rück hat daher 2005 die Munich Climate Insurance Initiative (MCII) ins Leben gerufen, um Versicherungslösungen für die Folgen des Klimawandels zu erarbeiten.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Entwicklungsländern, denn gerade arme Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, sich künftig besser zu schützen. Die Initiative basiert auf dem Grundgedanken, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den Treibhausgasemittenten und den Entwicklungsländern, die von den Auswirkungen der Klimaänderung betroffen sind.

Die MCII beweist, dass die Münchener Rück jenseits des traditionellen Rückversicherungsgeschäfts neue und innovative Lösungen in einem Risikoumfeld anstößt, das sich kontinuierlich ändert. Die Initiative ist weltweit einzigartig. Sie bringt Global Player der Versicherungswirtschaft an einen Tisch mit UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen (NGO) und renommierten Wissenschaftlern.

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