Schäden steigen – Prämien geraten unter Druck
In Indien sind die Naturgefahren Sturm und Überschwemmung (STIF) automatisch in Sachversicherungspolicen eingeschlossen. Wetterrisiken, insbesondere die Monsunniederschläge, stellen von jeher eine große Bedrohung dar. Aufgrund der Klimaänderung werden Beginn und Ausmaß der jährlichen Monsunregenfälle immer schlechter vorhersehbar. Zwischen 1980 und 2007 verursachten Wetterkatastrophen (Überschwemmungen, Stürme, Dürren) volkswirtschaftliche Schäden von 53 Milliarden US$ (in Werten von 2007). Hauptgefahr sind Überschwemmungen, die in diesem Zeitraum 77 % der volkswirtschaftlichen Schäden und zwei Drittel der Versicherungsschäden ausmachten.
Die Überschwemmungen im Sommer 2005 (Mumbai Floods) lösten bei fast allen Marktteilnehmern die Kumulschadenexzedentenprogramme erstmals voll aus. Einige mussten beim Nettoselbstbehalt hohe ungedeckte Schäden tragen. Auf dem Markt herrscht breiter Konsens, dass die Prämiensätze, allen voran für Überschwemmungsrisiken, umfassend angepasst werden müssen. Zwar gab es bereits Überlegungen einzelner Versicherer, separat zu tarifieren. Dies ist jedoch wegen unzureichender statistischer Schadendaten kurzfristig nicht zu erwarten. Zumal seit 1. Januar 2008 jegliche Preisbindung in der Sachversicherung – mit Ausnahme der Kfz-Haftpflichtversicherung – freigegeben ist.
Markt und Akteure im Lernprozess
Für die Assekuranz stellt sich die Frage, wie sich der indische Versicherungsmarkt mittel- und langfristig entwickeln wird. Bleiben größere Schadenereignisse mit hohen versicherten Schäden aus, hält der Preisdruck noch einige Zeit an. Überdies haben Gesellschaften in der Vergangenheit versicherungstechnische Verluste durch hohe Erträge an der indischen Börse kompensiert. Rückversicherungskapazität ist auf dem Markt in der Regel ausreichend vorhanden.
Doch Indien befindet sich derzeit in einem Lern- und Anpassungsprozess. Eine Phase mit knappen Rückversicherungskapazitäten, die risikobasiertes Pricing erfordern, hat der Markt noch nicht durchlaufen. Generell sollte die private Versicherungswirtschaft langfristig jedoch Versicherungskonzepte anbieten, beispielsweise eine Pool-Lösung mit einer Pflichtversicherung für Naturgefahren. Voraussetzungen dafür sind jedoch technisches Knowhow und finanzielle Mittel. Zwar könnten internationale Rückversicherer beides bereitstellen, doch ist in Indien der Spielraum für effektiven Risikotransfer begrenzt. Rückversicherung wird hauptsächlich über die General Insurance Corporation of India (GIC Re) angeboten; Nichtlebensversicherer müssen an sie derzeit 15 % ihrer Abgaben zedieren.
« zurück | weiter »