Monsun – zwischen Fluch und Segen

Die signifikante Zunahme extremer Monsunniederschläge, der rasante Anstieg zu versichernder Werte und ein sich verschärfender Preiswettbewerb stellen die Assekuranz in Indien vor große Herausforderungen. Der Markt befindet sich momentan in einem komplexen Liberalisierungs- und Anpassungsprozess.

Der alljährliche Monsun gehört ebenso zu Indien wie ausgedehnte Trockenzeiten. Mit rund 80–90 % der jährlichen Niederschlagsmenge, die der Sommermonsun mit sich führt, ist er gleichzeitig Indiens Lebensquelle, regelt er doch den Wasserhaushalt des riesigen Landes. Besonders angewiesen auf den Monsun ist die Landwirtschaft, die rund ein Fünftel zu Indiens Bruttoinlandsprodukt beisteuert und in der rund zwei Drittel der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Doch er hat sich verändert. Extreme Regenfälle sind deutlich häufiger und intensiver, außergewöhnliche Niederschläge haben in den vergangenen Jahren schwere Überschwemmungen und Schäden verursacht. 2005 wurde in Mumbai der stärkste Tagesniederschlag, der jemals dort gemessen wurde, registriert. 2007 waren die Auswirkungen des Sommermonsuns (Juni bis September) das dritte Jahr in Folge außergewöhnlich heftig.

Im Durchschnitt der Jahre 2005–2007 übertrafen die volkswirtschaftlichen Schäden aus Überschwemmungen mit rund 4 Milliarden US$ den Mittelwert der Jahre 1980–2004 um den Faktor 3,6. Rasant steigende Wertekonzentrationen in exponierten Regionen wie Mumbai verbunden mit wachsendem Versicherungsbewusstsein trieben in diesem Zeitraum die versicherten Schäden nach oben. Ist die jüngste Entwicklung lediglich ein Ausreißer oder vielmehr Vorbote einer sich langfristig ändernden Monsunaktivität?

Klimawandel als Ursache

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sich die Monsunaktivität in Zentralindien signifikant verändert hat (Goswami et al. 2006). So ist die tägliche Variabilität des Monsunniederschlags, also die Bandbreite zwischen starken und weniger starken täglichen Niederschlagsereignissen, in den vergangenen 50 Jahren deutlich gestiegen. Die Anzahl der täglichen Starkniederschlagsereignisse in Zentralindien (mindestens 100 mm/Tag) nahm seit 1950 um rund ein Drittel zu. Noch dramatischer sind die Ergebnisse für die täglichen Extremniederschlagsereignisse, bei denen es pro Tag mindestens 150 mm regnet: Diese haben sich seit 1950 etwa verdoppelt – aus wissenschaftlicher Sicht eine hoch signifikante Zunahme. Gleichzeitig gab es im Beobachtungszeitraum erheblich weniger moderate Niederschlagsereignisse. Zwar hat sich aufgrund dieser gegenläufigen Trends die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Mittel nicht verändert. Doch dies ist keine gute Nachricht, im Gegenteil. Denn zum einen ist der gemäßigte Monsun wichtig für Indiens Wasserhaushalt, vor allem für Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung, zum anderen sind Stark- und Extremniederschläge schadenrelevant. Außerdem gehen die meisten Modelle, die der Bericht des Weltklimarats IPPC zitiert, davon aus, dass künftig sogar die Gesamtsumme des Monsunniederschlags zunimmt. Auch wenn die einzelnen Szenarien große Abweichungen aufweisen – das Ergebnis ist eindeutig: Der indische Sommermonsun wird mit großer Wahrscheinlichkeit extremer.

Ursache dafür ist die globale Erwärmung: So stieg die Temperatur der Meeresoberfläche des tropischen Indischen Ozeans in den vergangenen 50 Jahren um etwa 0,5 °C an. Die Folge: Mehr Feuchte gelangt durch den Monsun nach Indien.

Die indische Versicherungswirtschaft muss sich daher verstärkt um Lösungen für dieses schwer quantifizierbare Änderungsrisiko bemühen. Dies gilt umso mehr, als die zu versichernden Werte rasant zunehmen.

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