Gerhard Berz
Klimawandel: Kleine Erwärmung - dramatische Folgen
Der außergewöhnliche Hitzesommer 2003 in Europa wird keine Ausnahme bleiben. Extreme Wetterereignisse könnten vielmehr zum Normalfall werden. Anpassungs- und Vorsorgestrategien sind daher dringlicher denn je.
Die Zunahme der Naturkatastrophenschäden, in den vergangenen Jahrzehnten weltweit beobachtet und in den Schadenbelastungen der Versicherungswirtschaft gut dokumentiert, zählt zu den ersten und stärksten Indizien für den wachsenden Einfluss der globalen Umweltveränderungen, die der Mensch verursacht.
Darüber herrscht breiter Konsens sowohl in Wissenschaft und Wirtschaft wie auch in der Politik, den Medien und nicht zuletzt in der Bevölkerung. Dabei spielt die augenscheinliche Häufung von Wetterkatastrophen wie Stürmen, Überschwemmungen, Unwettern, Hitzewellen und Waldbränden eine wesentliche Rolle. Der Grund: Sie sind fast immer auf außergewöhnliche, oft sogar nie zuvor registrierte Extremwerte meteorologischer Größen wie Temperatur, Niederschlag und Wind zurückzuführen.
Das spiegelt sich nirgendwo so deutlich wider wie in den Statistiken und Analysen der Naturkatastrophen, welche die Münchener Rück seit vielen Jahren auf der Basis ihrer detaillierten weltweiten Erhebungen veröffentlicht.
Hier zeigt sich beispielsweise: Von rund 14000 Naturkatastrophen, die zwischen 1980 und 2003 ausgewertet wurden (s. Abb. 1), waren nur 16 % Erdbeben und Vulkanausbrüche. Das sind Naturereignisse, die ihren Ursprung im Erdinneren oder in der Erdkruste unter unseren Füßen haben.
Auf sie hat der Mensch, nach allem was wir wissen (und hoffen können), keinen Einfluss — von ein paar Bergbau- oder Stausee-induzierten Erdbeben vielleicht abgesehen. Der ganz große Rest, nämlich 5 von 6 Naturkatastrophen, entstammt der Atmosphäre.
Wetterextreme in allen ihren Ausprägungen am oberen und unteren Rand der Wahrscheinlichkeits- bzw. Häufigkeitsverteilungen sind besonders kritisch. Sie treten nur selten auf und wir Menschen sind deshalb schlecht darauf eingestellt, weil uns die praktische Erfahrung fehlt. Deshalb ist es schmerzhaft, wenn — bildlich gesprochen — "der Schwanz der Wahrscheinlichkeitsverteilung zuschlägt".
Das zeigt sich bei den Schadenwirkungen dieser Extremereignisse, ob bei den Opferzahlen, worauf immerhin rund zwei Drittel auf Wetterkatastrophen entfallen, oder den volkswirtschaftlichen Schäden (über drei Viertel oder 1000 Milliarden US$) und ganz besonders den versicherten Schäden (90%); dort macht sich die hohe Versicherungsdichte für Sturmschäden bemerkbar.