Versicherungsaspekte
Weltweit sind die Katastrophenschäden der Versicherer in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, wobei Wetterextreme 5 von 6 Naturkatastrophen auslösen. Diese Entwicklungen machen es notwendig, die Risikosituation durch wetterbedingte Gefahren in Europa neu zu analysieren.
Schadenpotenzial wächst
Ein Wintersturm kann in Mitteleuropa versicherte Schäden bis zu einem hohen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag verursachen. Nicht zu unterschätzen sind aber auch lokale Ereignisse. Hagelszenarien für Großstädte liefern versicherte Schäden in Milliardenhöhe. Und: Die Schadenanfälligkeit versicherter Objekte erhöht sich. Gründe sind bauliche Veränderungen, neue Materialien oder die Ausweitung des Deckungsumfangs.
Bei Überschwemmungen ist wegen der restriktiven Zeichnungspolitik der Anteil versicherter Schäden in Mitteleuropa zwar noch gering, aber die Schadenpotenziale nehmen zu. Gründe hierfür sind vor allem häufigere Wetterlagen mit Starkniederschlägen, Erschließung gefährdeter Gebiete und zunehmende Wertkonzentrationen in gefährdeten Bereichen. Länderübergreifende Szenarien lassen Schäden von mehreren Milliarden Euro erwarten.
Trotz der globalen Erwärmung sind extreme Winter wie 2005/2006 weiterhin möglich. Dabei können ausgiebige Schneefälle innerhalb einer längeren Kälteperiode große Schäden anrichten – wie 2006 in Österreich: Der versicherte Marktschaden betrug gut 300 Millionen €.
Für den Erstversicherer bietet es sich nach Meinung der Münchener Rück an, seine Risiken über Selbstbehalte zu steuern und damit die Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen. Sublimits von bis zu 50 % der Versicherungssumme sind dagegen weniger effizient, da sie über ein gesamtes Portfolio betrachtet weit über dem „Probable Maximum Loss“ liegen, mit dem die Münchener Rück bei Naturgefahren rechnet. Bei großen Einzelrisiken können Sublimits allerdings hilfreich sein.
Hohe Versicherungsdichte bei Sturm und Hagel
Die Münchener Rück hat verschiedene Versicherungsaspekte in Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei, und Slowenien untersucht.
Die Versicherungsdichte bei Sturm/Hagel liegt meist in diesen Ländern zwischen 80 und 100 %, bei Überschwemmungsrisiken meist deutlich niedriger. Der Grund: Sturm/Hagel ist häufig in den Feuerpolicen gedeckt. Da es in der Schweiz eine generelle Pflichtversicherung gegen Naturrisiken (außer Erdbeben) gibt, liegt hier die Versicherungsdichte bei nahezu 100 %. Anders als in den übrigen analysierten Ländern gibt es in Österreich einen staatlichen Katastrophenfonds für außergewöhnliche Naturereignisse, der aus Steuermitteln gespeist wird; ein Rechtsanspruch auf eine Entschädigungsleistung besteht allerdings nicht.
Deckungskonzepte durch den Staat
Staatliche Unterstützung ist vor allem beim Überschwemmungsrisiko und bei Ertragsausfällen in der Landwirtschaft von großer Bedeutung. Letztere erhöhen die Schadenquoten der Versicherer in einzelnen Jahren erheblich – mit der Folge hoher Versicherungsprämien für die Landwirte. In Mitteleuropa bietet Österreich eines der umfassendsten Deckungskonzepte: Neben Hagel sind auch Frost, Sturm, Überschwemmung, Trockenheit und Dauerregen während der Ernte sowie andere Risiken gedeckt; der Staat subventioniert die Prämien mit 50 %. Eine flächendeckende staatlich subventionierte Erntemehrgefahrenpolice setzt eine Risikopartnerschaft zwischen Landwirtschaft, Versicherungswirtschaft und Staat voraus.
Risiko-Transfer auf den Kapitalmarkt
Methoden des alternativen Risikotransfers werden wegen der steigenden Schadenpotenziale immer wichtiger. Die Verbriefung von Katastrophenrisiken über Versicherungsrisikoanleihen (CatBonds) auf dem Kapitalmarkt hat sich vor allem nach Hurrikan Katrina rasant entwickelt. 2006 wurden knapp 5 Milliarden US$ an Katastrophenrisiken verbrieft, doppelt so viel wie 2005. Insgesamt haben Katastrophenanleihen zurzeit ein Gesamtvolumen von rund 15 Milliarden US$. Nach Expertenmeinung werden mittelfristig 20 % der Kapazität für Katastrophenrisiken auf dem Kapitalmarkt platziert. Daneben werden Katastrophenrisiken auch über Versicherungsderivate gehandelt. So können sich Unternehmen kurzfristig gegen die finanziellen Konsequenzen außergewöhnlicher Wettereinflüsse absichern. Seit Kurzem sind auch Risiken mit niedrigeren Wiederkehrperioden (25 bis 30 Jahre) platzierbar, nachdem in der Anfangsphase im Wesentlichen Spitzenrisiken (Top-Layer) verbrieft wurden.
Die Münchener Rück nutzt CatBonds, um wetterbedingte Naturkatastrophen (Sturm Europa, Hurrikan USA) abzusichern, und bietet sowohl Versicherungs- als auch Derivatlösungen an, die individuell an die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst werden können. Die neue Risk-Trading-Unit der Münchener Rück unterstützt ihre Kunden dabei, Risiken auf den Kapitalmarkt zu transferieren.