Edition Wissen: Zwischen Hoch und Tief Wetterrisiken in Mitteleuropa

Klimawandel in Mitteleuropa

Europa verzeichnet eine steigende Anzahl wetterbedingter Katastrophen. Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass der Klimawandel bereits zu diesem Trend beiträgt. Der aktuelle Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) bestätigt: Der Klimawandel findet statt.

Die globale Mitteltemperatur nimmt unaufhörlich zu: in den vergangenen 100 Jahren um 0,74 °C, in den letzten 50 Jahren sogar um 0,13 °C pro Jahrzehnt und stieg somit fast doppelt so stark wie über den 100-jährigen Gesamtzeitraum. In Europa ist die Erwärmung sogar noch markanter: +0,95 °C in den vergangenen 100 Jahren. In Deutschland sind es +1,0 °C, in Österreich +1,1 °C und in der Schweiz +1,4 °C. Wie überall auf der Welt ist auch in Europa der Temperaturanstieg in den letzten Jahrzehnten besonders ausgeprägt.

Bereits 1973 hatte die Münchener Rück als einer der ersten Mahner aus der Wirtschaft in einer Publikation zu Flusshochwassern darauf hingewiesen, dass der von Menschen gemachte Klimawandel ein möglicher Treiber zunehmender Schäden ist. Der IPCC-Bericht 2007 bestätigt unsere Warnungen und Aussagen in den vergangenen drei Jahrzehnten: Mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 % sind klimawirksame Spurengase, die durch menschliche Aktivität zusätzlich in die Atmosphäre abgegeben werden, der Hauptgrund dafür, dass die Temperatur global zunimmt. Das IPCC bestätigt ebenfalls unsere Analysen, dass der Klimawandel bereits zu mehr und stärkeren Wetterextremen führt.

Klimawandel beeinträchtigt Wirtschaftswachstum

Mit den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels hat sich der Report „Die Ökonomie des Klimawandels“ von Sir Nicholas Stern auseinandergesetzt, der im Oktober 2006 veröffentlichte wurde. Bis Mitte dieses Jahrhunderts prognostiziert die Studie einen jährlichen Verlust von über 5 % des weltweiten Wachstums, dies entspricht 2 200 Milliarden US$. Stern geht davon aus, dass sich die Kosten auf lediglich 1 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts pro Jahr (445 Milliarden US$) belaufen, wenn gehandelt wird. Handeln bedeutet: Der gefährliche Schwellenbereich eines Anstiegs von 2 °C der globalen Mitteltemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau wird nicht überschritten. Dies ist nur zu erreichen, indem man bis 2050 die CO2-Konzentration auf 445 bis 535 millionstel Volumenanteile (ppm) stabilisiert (2007: 383 ppm). Die künftige Steigerung ist aufgrund der wachsenden Emissionen von Schwellenländern wie China und Indien vorprogrammiert.

Entscheidend ist zudem, die Anpassung an jene Klimawandelfolgen zu finanzieren, die nicht mehr zu verhindern sind. Die Versicherungswirtschaft hat hier eine zentrale Rolle, denn sie stellt Lösungen zur Verfügung, um die monetären Schäden abzufedern.