Großveranstaltungen aus Sicht des Versicherers
Bei einem internationalen Sportereignis hat der Ausbruch einer Massenpanik — neben den möglichen Verletzten oder sogar Toten — weit reichende Folgen. Die Veranstaltung muss unterbrochen werden, hohes Drittschadenpotenzial entsteht. Ansprüche gegenüber den Veranstaltern, Organisationen oder Stadionbetreibern können geltend gemacht werden.
Bei einem Schadenereignis können aus Sicht des Versicherers beispielsweise Veranstaltungsunterbrechungs-, allgemeine Haftpflicht- und Gebäudehaftpflichtversicherungen sowie Veranstaltungshaftpflicht-, Vermögensschadenhaftpflicht-, Unfall- und Lebensversicherungen betroffen sein.
Risiko und auch Folgen einer Massenpanik werden teilweise noch stark unterschätzt. Gesetzliche Bestimmungen werden zwar erfüllt, wenn Veranstaltungen geplant werden oder ein Stadion neu- oder umgebaut wird. Bisher gibt es jedoch noch keine Vorschriften, Paniksituationen zu verhindern. Die systematische Erfassung bzw. Behandlung eventueller Risikopotenziale ist bis heute ein vernachlässigter Bestandteil der Risikowahrnehmung.
Präventivmaßnahmen bei der Planung
Bereits bei der Planung einer Großveranstaltung können viele Präventivmaßnahmen ergriffen werden. Mit innovativem Risikomanagement kann man Gefahren frühzeitig erkennen, bewerten und durch entsprechende Maßnamen nachhaltig minimieren.
Ein zusätzliches Zertifizierungsverfahren "Die sichere Großveranstaltung" oder die Benennung eines Stadion- Risikomanagers (SRM) (beides noch einzuführende Risikomanagement-Features) könnte den hohen Standard des Risikomanagements in Stadien bei Großveranstaltungen langfristig sichern.
Risikofaktoren und -minimierung
Die Liste der Maßnahmen zur Risikominimierung ist lang und lässt sich hier nur in Ausschnitten darstellen:
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Leistungsfähige Verkehrswege, Parkleitsysteme oder Zu- und Abgänge, die vermeiden, dass rivalisierende Fans aufeinander treffen, sowie ausreichend sichere Parkmöglichkeiten — z. B. für Mannschaftsbusse, Medienvertreter und andere VIPs in der inneren Umfriedung der Stadionanlage. So kann eine kontrollierte An- und Abreise am Veranstaltungstag gewährleistet werden.
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Rettungswege müssen ausreichend vorhanden, entsprechend dimensioniert und gut beschildert sein. Pläne dazu müssen lange vor dem eigentlichen Beginn der Veranstaltung ausgearbeitet, allen beteiligten Gruppen (z. B. Rettungs- und Sicherheitspersonal) bekannt sein und regelmäßig geübt und abgestimmt werden.
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Stadien sollten, wenn möglich, mit einer inneren und äußeren Umfriedung versehen sein. Umfriedungen schützen vor unerlaubtem Eindringen, müssen aber gegebenenfalls auch durch große Tore schnell zu öffnen sein sowie dem Druck von größeren Menschenmassen standhalten.
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Die Eingangskontrolle und die Gestaltung der Zuschauerblocks, die Sitzplatzgestaltung, Auf- und Abgänge zu den Blocks, ausreichende international verständliche Beschilderungen, modernste Kommunikations- und Überwachungsanlagen sichern den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Umfangreiche Bauvorschriften und Genehmigungsverfahren sowie Empfehlungen der FIFA, UEFA und des nationalen Fußballverbands sollen darüber hinaus die Sicherheit bei Fußballspielen verbessern.
Terrorgefahren
Neben Randalierern und rechtsradikalen Fans sind Terrorgefahren Teil des Risikomanagements geworden. Spätestens seit den Anschlägen in Madrid ist Terror auch in Europa eine ernst zu nehmende Gefahr. Entsprechend dramatisch verschärften zum Beispiel die EM-Organisatoren 2004 in Portugal die Sicherheitsvorkehrungen. AWACS-Aufklärungsflugzeuge der NATO kreisten gemeinsam mit der portugiesischen Luftwaffe fast ununterbrochen über den Spielstätten. Rund 150.000 Liter Kerosin verbrauchten die Flugzeuge allein in der ersten Woche, um die Spielstätten gegen mögliche Terrorakte aus der Luft zu schützen. Auch bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland kamen wieder AWACS-Flugzeuge zum Einsatz.