Wenn Massen außer Kontrolle geraten
Trotz steigender Sicherheitsvorkehrungen lässt sich das Risiko einer Massenpanik bei einer Großveranstaltung nie ganz ausschließen. Nur durch konsequentes Risikomanagement können Gefahren frühzeitig erkannt, analysiert und minimiert werden.
Am 2. Februar 2006 kommen bei einer Massenpanik vor einem Stadion in Manila mindestens 70 Menschen ums Leben. Unter den Opfern befinden sich vor allem ältere Frauen, die — wie 30.000 andere Zuschauer auch — die Live-Übertragung einer großen Fernsehshow besuchen wollen.
Die Liste der Katastrophen wie kürzlich auf den Philippinen ist lang: Seit 1945 sind über 1.500 Menschen in Fußballstadien durch Panikvorfälle ums Leben gekommen. Die Anzahl der Verletzten und Toten ist im Laufe der Jahre kontinuierlich zurückgegangen, während die Zahl der Schadenereignisse weiter zunimmt.
Die Ursachen für eine Massenpanik bei Großveranstaltungen — ob nun unter freiem Himmel oder in einer Halle — sind vielfältig. Sowohl vor, während als auch nach der Veranstaltung kann es zu einer Katastrophe kommen.
Das Kompetenzzentrum Casualty Risk Consulting der Münchener Rück beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema und bietet über die Münchener Ecoconsult GmbH (Member of Munich Re Group) umfangreiche Beratungsleistungen beim Risikomanagement internationaler Großveranstaltungen an.
Massenpanik — ein Ereignis von Sekunden
1985: das Brandunglück im überalterten Fußballstadion von Bradford. Dass die Holztribüne Feuer gefangen hatte, wurde im ersten Moment nicht ernst genommen. Doch bereits Sekunden später gerieten die Fans in Panik.
Die Angstreaktion eines Einzelnen reicht aus, eine Kettenreaktion auszulösen. Im Durchschnitt geschieht es bereits nach acht Sekunden: Hunderte von Besuchern strömen zum Ausgang. Sie stauen sich in einem Halbkreis vor dem schmalen Tor zur Freiheit. Die durch Angst entstandene Hektik bringt den Menschenfluss ins Stocken. Nichts geht mehr. In solchen Situationen wirken auf den eingeklemmten menschlichen Körper mehrere Tonnen Staudruck, denen der Mensch in der Regel nicht lange standhalten kann.
Nur die richtig aufeinander abgestimmte Koordination baulicher, organisatorischer und kommunikativer Maßnahmen kann im Vorfeld die Schadeneintrittswahrscheinlichkeit und das daraus resultierende Schadenausmaß einer Massenpanik herabsetzen. Allerdings darf man hierbei die individuelle Reaktion eines in Panik geratenen Menschen nicht vergessen.
Verhalten heterogener Gruppen schwer vorhersehbar
Dazu kommt, dass wir es im Normalfall im Stadion mit einer sehr heterogenen Gruppe von Kindern, Erwachsenen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Charaktere, unterschiedlicher Mentalitäten und Nationalitäten zu tun haben, die alle sehr individuell und unterschiedlich reagieren können.
Großveranstaltungen faszinieren durch ihren emotionalen Charakter. Ist die Stimmung positiv, gibt es kaum etwas zu befürchten. Kippt die Stimmung aus irgendeinem Grund, sind die unvorhersehbaren Reaktionen der Zuschauer wohl die größte Herausforderung für den Veranstalter.