Beate Hitzler, Günter Wichmann
Spektakulärer Diamantendiebstahl
Mit einem aufsehenerregenden Diebstahl ging 2004 eine luxuriöse Antiquitäten- und Schmuckmesse zu Ende. Am vorletzten Ausstellungstag entwendeten Unbekannte zwei Diamanten im Gesamtwert von 8,5 Millionen US$. Innerhalb von Sekunden waren die Juwelen in den Taschen der Diebe verschwunden.
Dieser Diamantendiebstahl zählt zu den größten Fällen der französischen Kriminalgeschichte. Den Tätern gelang es, blitzschnell eine Ausstellungsvitrine zu öffnen und die beiden Diamanten von 16 und 40 Karat zu stehlen. Obwohl Beamte des Raubdezernats nach kürzester Zeit am Tatort eintrafen und Ermittlungen über Interpol eingeleitet wurden, konnten die Diebe bislang nicht gefasst werden.
Der Diebstahl war professionell geplant
Die Täter gingen äußerst routiniert vor. Während am frühen Nachmittag des vorletzten Ausstellungstags nur wenige Messegäste den 20m² großen Stand besuchten, interessierten sich gegen 15 Uhr drei Gruppen von je drei bis fünf Personen sowie einige Einzelpersonen für die beeindruckende Schmuckauslage des international bekannten Juweliers.
Die Besucher nahmen die vier anwesenden Mitarbeiter sowie zwei vom Juwelier engagierte Sicherheitsbeamte völlig in Anspruch. Zwei Angestellte präsentierten Interessenten ein Schmuckstück aus einer der sechs Vitrinen, die beiden anderen Mitarbeiter beantworteten die unzähligen detaillierten Nachfragen der übrigen Besucher.
Die mehr als 12 Personen blieben etwa 15 Minuten auf dem Verkaufsstand und verließen ihn dann nach und nach. Unmittelbar darauf besuchte eine Gruppe hochrangiger Persönlichkeiten von sechs bis acht Personen, unter ihnen die Frau des französischen Ministerpräsidenten, den Stand. Während sich die Präsidentengattin einige Schmuckstücke zeigen ließ, stellte einer der Angestellten fest, dass aus einem der verschlossenen Schaukästen zwei von insgesamt vier Diamanten fehlten. Um Aufregung zu vermeiden, informierte man die Polizei erst, nachdem die Gruppe den Stand verlassen hatte.
Die Versicherungssparte Jewellers' Block
Der Verkaufsstand und die Ware waren original durch eine so genannte Jewellers'-Block-Police versichert. Dabei handelt es sich um eine All-Risks-Police, die alle Aktivitäten eines Juweliers versichert — Messen und Ausstellungen können gegen eine Zusatzprämie mitgedeckt werden.
Aufgrund der bekannten erhöhten Exponierung legt man bei solchen Veranstaltungen besondere Sicherheitsauflagen zugrunde. Beispielsweise ist die Ware während der Ausstellung ausschließlich in verschlossenen Vitrinen aufzubewahren, sie ist permanent zu beaufsichtigen und muss außerhalb der Ausstellungszeiten in einem Safe verwahrt werden.
Als Grundvoraussetzung gilt, dass die Sicherheit stets dem Wert der gelagerten Ware entsprechen muss. Um das zu gewährleisten, werden in der Regel auf die Branche spezialisierte Sicherheitsexperten beauftragt, vor Ort die notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Im vorliegenden Fall stellte sich heraus, dass die Ausstellungsvitrine für die darin gelagerten Werte nicht adäquat war.
Die Vitrine wurde aufgebrochen
Die gestohlenen Diamanten befanden sich in einem einfachen Schaukasten. Es handelte sich dabei um eine Vitrine, die aus einer Holzsäule mit aufgesetztem Glaskasten bestand. Der Glasaufsatz war mithilfe eines Scharniers aufzuklappen, das an der Rückseite angebracht war. Verriegelt wurde die Vitrine mit einem einfachen Schloss.
Die Diebe versuchten offensichtlich zunächst vergeblich, den Glasaufsatz der Vitrine aufzuhebeln. Anschließend schoben sie wahrscheinlich eine Klinge zwischen den Holzrahmen und den Glaskasten und brachen so eine Ecke ab. Nun konnten sie das Schloss öffnen und den Aufsatz anheben.
Fazit
Auch wenn der Diebstahl auf höchstprofessionelle Art und Weise geplant und durchgeführt wurde, hätte er durch ein risikoadäquates Sicherheitskonzept verhindert werden können. Ein solches ist im Vorfeld mit einem spezialisierten Sicherheitsexperten auszuarbeiten.
Der Sachverständige entwickelt ein auf die jeweilige Situation und die gelagerten Werte abgestimmtes Gesamtkonzept, das mechanische wie auch elektronische und organisatorische Maßnahmen umfasst.
Folgende Sicherheitsvorkehrungen hätten im vorliegenden Fall beispielsweise getroffen werden können:
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Verteilung der wertvollen Schmuckstücke auf mehrere Schaukästen
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alarmgesicherte Vitrinen mit einbruchhemmendem Glas und erstklassigen Verschlusssystemen z. B. mit Zahlenkombination und Zeitverzögerung
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24-Stunden-Videoüberwachung des Verkaufsstands mit einem entsprechenden deutlich sichtbaren Hinweis
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Aufschaltung der Alarmsicherung und der Videoüberwachung auf ein Sicherheitsunternehmen
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Zugangsregulierungen beispielsweise durch Pfosten und Absperrseile, um die Zahl der Besucher der Größe des Verkaufsstands anzupassen
Solche Sicherheitsmaßnahmen sind für den Versicherungsnehmer oft mit einem hohen Aufwand verbunden: Für die Versicherbarkeit derartig exponierter Risiken sind sie aber unerlässlich. Juwelen und Diamanten wecken aufgrund ihres hohen materiellen Wertes erhebliche Begehrlichkeiten und die organisierte Kriminalität nimmt in diesem Bereich unaufhörlich zu. Die nächsten Täter warten bereits auf ihre Gelegenheit.