Großbrand in einer Fleisch- und Wurstwarenfabrik

Schadenhergang

Im Werk 2 der Fabrik wurde gegen 11 Uhr in einer Frittieranlage Feuer festgestellt, die automatische Schaumlöschanlage löste kurz darauf aus. Trotz zusätzlicher manueller Brandbekämpfung bekam man die Flammen nicht unter Kontrolle, da sich die Friteuse stetig weiter erhitzte. Die Feuerwehr wurde alarmiert. Als die Löschkräfte eintrafen, zog bereits eine große Rauchwolke über das Fabrikgelände, der Brand hatte sich über weite Teile des Gebäudes ausgedehnt. Hohe Brandlasten und starke Rauchentwicklung erschwerten die Löschmaßnahmen erheblich: Teile der Stahlkonstruktionen verbogen sich unter der Hitzeentwicklung, Gänge und Deckenteile stürzten ein, Flammen schlugen aus berstenden Fenstern und Verpuffungen rissen Türen auf. Die Einsatzkräfte konnten jederzeit vom Rückweg ins Freie abgeschnitten sein, mehrere Nachalarmierungen der Feuerwehr wurden nötig.

Schaden

Zur Fabrik gehören – neben Verwaltungs- und Altgebäuden – drei Fertigungsbereiche. Zwei der Produktionshallen waren in Stahlbauweise mit Metallprofil-Sandwichelementen mit Schaumdämmung für die Außen- und Innenwände konstruiert. Ein 2,5 m breiter Gang mit zwei Übergängen, versehen mit Brandschutztüren, verband die Hallen. Eine Betondecke trennte die Produktion im Erdgeschoss von der Technikebene unter dem Dach, das teilweise aus Trapezblech mit Schaumdämmung und Kunststofffolienabdichtung bestand – ebenfalls in Sandwichbauweise. Halle 3 war durch eine Brandschutzmauer von Werk 2 getrennt.

Die verheerende Bilanz des Feuers: Werk 2 (Nutzfläche etwa 7.000 m2) und dessen Betriebseinrichtung erlitten letztlich einen Totalschaden, Werk 1 mit seiner Nutzfläche von etwa 10.000 m2 war – wie auch die Betriebseinrichtung – fast vollständig zerstört. Bestehen blieben bei beiden Hallen nur die Fundament- und Kellerbereiche.

Das durch die Brandwand geschützte Werk 3 und die angrenzenden Verwaltungsgebäude rettete der massive Einsatz der rund 400 Feuerwehrkräfte. Trotzdem entstanden starke Verrußungsschäden, und auch der Warenschaden war nicht unerheblich.

Dramatisch war der Betriebsunterbrechungsschaden: Bei einem derartigen Großschaden kann der Ausfallzeitraum bis zur Wiederherstellung der Gebäude und vollständigen Betriebsbereitschaft ein Jahr betragen, berücksichtigt sind dabei bereits Zusatzproduktion durch Mehrschichtbetrieb in Tochterbetrieben, Fremdzukauf von Waren und Fremdproduktion. Trotz der betrieblichen Kontinuitätsplanung ist mit einem geschätzten versicherten Betriebsunterbrechungsschaden von rund 40 Millionen € zu rechnen.

Schadenursache

Grund für den Brand war die Überhitzung eines Frittierbeckens. Zwar gab es eine automatische Temperaturüberwachung mithilfe von Temperaturgrenzwertgeber und Objektschutzanlage – doch die Steuerung der Frittieranlage arbeitete fehlerhaft und verursachte ein Überkochen des Öls und dessen Entzündung.

Die Frittieranlage verfügte über eine Objektschutz-Löschanlage, die – den ersten Ermittlungen zufolge – korrekt auslöste. Das Öl heizte sich aber weiter auf und entzündete sich erneut. Ein Test der Löschanlage durch Experten lässt vermuten, dass ein Schütz klemmte. Er war für den Temperaturgrenzwertgeber (280 °C), den Temperaturfühler und die Auslösung der Löschanlage gemeinsam geschaltet, aus sicherheitstechnischer Sicht wären jedoch drei unabhängige Schütze notwendig gewesen. Für Risikobesichtigungen ähnlicher Betriebe ist dieser sicherheitskritische Punkt unbedingt nachzuhalten.

Resümee

Aufgrund der hohen baulichen und betrieblichen Brandlasten und zusätzlich großer Brandabschnitte breitete sich das Feuer bis zum Eintreffen der Feuerwehr ungewöhnlich schnell aus. Besonders ungünstig wirkten sich dabei die verwendeten Baumaterialien aus. Sandwichwände und Dachbauten mit brennbarer Isolierung. Der geschätzte Schaden insgesamt: rund 110 Millionen €.

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