Versicherung von IT-Risiken
Aufgrund der hohen Dunkelziffer an Schäden hat die Assekuranz nur eine
eingeschränkte statistische Grundlage für die Prämienkalkulation.
Trotz intensiver Analyse ist es der Assekuranz bisher nicht möglich, für
IT-Risiken ein verlässliches Verfahren zu entwickeln, mit dem man mögliche Kumulschäden
auf PMLBasis ermitteln kann. Um die Risiken dennoch kalkulierbar zu halten, sieht die
Münchener Rück nahezu keine Möglichkeit, im Eigenschadenbereich Risiken zu versichern,
die über den klassischen Sachschaden etwa an Datenträgern oder Computersystemen
hinausgehen.
Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass Vermögens- bzw. Sachschäden, die
durch den Verlust oder die Manipulation von Daten entstehen, von Land zu Land
unterschiedlich definiert werden. Der Versicherer könnte so schlimmstenfalls plötzlich
verp?ichtet sein, Deckungen zu übernehmen, für die er nie ein Risk-Assessment
vorgenommen und auch keine Prämie erhalten hat. Erstversicherer sollten daher im eigenen
Interesse darauf achten, in ihren Policen IT- und Sachschäden klar zu trennen.
Wegen des letztlich unkalkulierbaren Kumulrisikos ist auch das Risiko eines
Ausfalls externer Netze nicht gedeckt, etwa wenn ein Bagger Kommunikationskabel kappt.
Nach detaillierter Risikoanalyse durchaus versicherbar ist hingegen ein gezielter
Hackerangriff auf eine bestimmte Firma, da in diesem Fall keine Kumulgefahr besteht.
Risikoszenarien im Drittschadenbereich
Neben den skizzierten Eigenschäden können über das Medium Internet auch
erhebliche Haftp?ichtansprüche Dritter entstehen. Diese Dritt- oder Fremdschäden werden
in folgende Risikokategorien aufgeteilt: Unterbrechungsrisiko, Sicherheitsrisiko,
Medienrisiko. Handelt es sich bei den ersten beiden Kategorien um "neue Exponierungen"
im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets, so ist das Medienrisiko seit Jahren
bekannt.
Seine Risikoqualität hat sich durch das Internet jedoch erheblich verändert. Das
heißt: Die Verbreitung von Informationen per Mausklick erfolgt wesentlich schneller und
global (one click - one spread). Das Hauptaugenmerk im Haftp?ichtbereich liegt
allerdings auf dem Unterbrechungs- und Sicherheitsrisiko. Da die Wirtschaft immer
abhängiger wird von elektronischen Medien, hat die Gefahr existenzieller Bedrohungen
durch Unterbrechungsschäden zugenommen.
Ein Beispiel: Eine Vielzahl von Unternehmen nutzt das Internet als zusätzlichen
Vertriebskanal. Erleidet ein solches Unternehmen einen Unterbrechungsschaden und kann
keinen Onlinekontakt mehr mit seinen (potenziellen) Kunden aufnehmen, wird die Höhe des
Vermögensschadens neben der Unterbrechungsdauer entscheidend davon abhängen, inwieweit
noch traditionelle Vertriebskanäle genutzt werden können, um den Ausfall zu
kompensieren.
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