Winrich Krupp
Feuerwerk — gefährlich schön
In Fabriken und Lagerhallen für Feuerwerkskörper kommt es immer wieder zu Explosionen und Bränden mit schwer wiegenden Folgen. Viele dieser Schäden entstehen, da Sicherheitsrichtlinien, Vorschriften und Gesetze fehlen, nicht ausreichen oder nicht eingehalten werden.
Böller, Kracher, Fontänen und Raketen: Pyrotechnisches Material birgt viele Gefahren. Das gilt für die gesamte Entstehungskette — von den Grundstoffen, der Produktion, dem Transportweg über die Lagerung bis hin zur Anwendung. Besonders riskant ist, wenn Feuerwerksartikel illegal hergestellt und verkauft werden.
Was in bestimmten Ländern streng reglementiert wird, entzieht sich in vielen anderen völlig der Kontrolle. So bleiben bei manchen Feuerwerkskörpern der Hersteller, die Zusammensetzung und insbesondere auch die Menge der gefährlichen Wirkstoffe und Komponenten im Dunklen.
Die Situation verschärfen Unkenntnis im Umgang, das Ignorieren von Vorschriften, Eigenkonstruktionen, kindlicher Spieltrieb bis hin zum bewussten Einsatz von Feuerwerkskörpern als Waffe, beispielsweise in Fußballstadien.
Im privaten Bereich ereignen sich die meisten Unfälle in den Wochen vor dem Jahreswechsel. Allein 2006 kamen weltweit 35 Menschen durch Feuerwerkskörper und Brände, die durch Feuerwerk ausgelöst wurden, ums Leben.
Auch bei den professionellen Herstellern und Lagerunternehmen kommt es immer wieder zu schweren Katastrophen. Brände und Explosionen ereigneten sich in den vergangenen Jahren zwar überwiegend in Asien, vor allem in China und Indien — traditionell große Herstellerländer von Feuerwerkskörpern. Doch blieben auch in Europa folgenschwere Unglücke nicht aus.
Explosionskatatrophe in Enschede
Am 13. Mai 2000 detonierten im Lager einer Feuerwerksfabrik im niederländischen Enschede bei zwei Explosionen etwa 100 t pyrotechnisches Material. Über der Stadt stand eine riesige Rauchsäule. Innerhalb von Minuten wurde das umliegende Wohngebiet verwüstet, 400 Wohnungen wurden zerstört und weitere 1.000 beschädigt. Bei dem Unglück kamen 22 Menschen ums Leben, mehr als 1.000 wurden verletzt.
Bis heute konnte die Ursache des Unglücks nicht eindeutig geklärt werden. Es gilt jedoch als sicher, dass auf dem Gelände der Fabrik mehr explosives Material lagerte, als die Sicherheitsbestimmungen erlaubten. Darüber hinaus war das pyrotechnische Material falsch klassifiziert: Es hatte eine wesentlich höhere Explosivkraft, als aus den Etiketten zu schließen war. Für das große Ausmaß der Katastrophe war mitverantwortlich, dass Schutz- und Sicherheitsabstände zum umliegenden Wohnviertel fehlten.
Explosionsserie in einer Feuerwerksfabrik in Kolding
In der dänischen Stadt Kolding zerstörte am 3. November 2004 eine Explosionsserie eine Feuerwerksfabrik. Vermutlich löste der Aufprall eines fallen gelassenen Containers eine Spontanentzündung der darin befindlichen Feuerwerkskörper aus.
Der lokale Brand, der daraufhin entstand, führte zu zahlreichen schweren Explosionen auf dem Betriebsgelände. Die Detonationen waren in einem Umkreis von 30 km zu hören. Feuer griff auf umliegende Häuser über. Etwa 20 Gebäude wurden durch die Flammen und die Druckwellen zerstört, rund 300 weitere Häuser beschädigt.
Beschädigungen an den weiter entfernten Häusern zeigten sich oft erst nach Wochen und Monaten in Form von Setzungen und Rissen in Fassaden und Wänden. Diese Schäden werden insbesondere auf einen instabilen Baugrund und die Verwendung von Leichtbaustoffen im privaten Hausbau zurückgeführt.
Herausragender Schwachpunkt bei Konzeption und Betrieb dieser Anlage war wie im niederländischen Enschede, dass sie in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet lag. Begünstigt wurden die rasche Ausbreitung des Feuers auf das gesamte Betriebsgelände und auf die umliegenden Wohnhäuser sowie die Wucht der Explosionen, weil man Vorschriften missachtete.
Erlaubt war eine Lagermenge von maximal 800 t, eingelagert waren nach derzeitigem Kenntnisstand aber bis zu 2.000 t pyrotechnisches Material — mehr als das Doppelte.
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