Risiko und Risikomanagement
Schadenverhütungs- und Risikomanagementmaßnahmen müssen dazu beitragen, das Restrisiko akzeptabel zu machen. Doch was versteht man unter "Restrisiko" bzw. "Risiko"? Im technisch-wissenschaftlichen Sinne wird das Risiko R durch eine Wahrscheinlichkeitsaussage beschrieben: Eintrittswahrscheinlichkeit H mal Schadenausmaß K, d. h. R = H x K.
Die Formel stellt eine Konstante dar, die grafisch als Hyperbel erscheint (Abb. 3, Seite 24). Die Grafik zeigt, dass es keine absolute Sicherheit eines Risikos Null geben wird (auch der Verzicht auf nicht beherrschbare Risiken birgt unter Umständen das Risiko einer entgangenen Chance).
Als Restrisiko wird die Gefährdung bezeichnet, die einer Tätigkeit, einer Methode, einem Verfahren oder einem Prozess nach dem Stand der Wissenschaft selbst bei Anwendung aller theoretisch möglichen Sicherheitsvorkehrungen noch anhaftet (wissenschaftlich denkbare Vorkehrungen).
Da in vielen Bereichen Schadenausmaß und Schadeneintrittswahrscheinlichkeit sehr gering sind, wird für die meisten Tätigkeiten, Methoden, Verfahren oder Prozesse ein Grenzrisiko festgelegt (wirtschaftlich vertretbare Vorkehrungen).
Verschiedene Risikointerpretationen
Wie jedoch Risiko interpretiert wird, ist individuell und international verschieden. In den Niederlanden und angelsächsischen Ländern gibt es beispielsweise politisch akzeptierte Individualrisiken, die bei 1,0 mal 10-6 pro Ereignisgruppe liegen.
Diesen sogenannten soziologischen Schwellenwert benutzt man für die Definition eines seltenen bzw. sehr unwahrscheinlichen Ereignisses. Wird die Häufigkeit eines unerwünschten Ereignisses kleiner eingeschätzt, ist die Öffentlichkeit im Allgemeinen beruhigt. Oft wendet man das so genannte ALARP-Prinzip an (as low as reasonably practical), indem die technischen und betrieblichen Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit und die ökologische Verträglichkeit, also Chancen und Risiken, gegeneinander abgewogen werden.
Nur mit ausreichenden Kenntnissen des Risikos und seiner qualitativen wie quantitativen Einflussfaktoren ist es möglich, Strategien zu seiner Steuerung bzw. Methoden des Risikomanagements zu entwickeln.
Und: Risikomanagement sollte eine Vorsorgestrategie im Sinne einer vorausschauenden Gefahrenvermeidung und nicht allein ein Krisenmanagement im Schadenfall sein.
Es gilt, in Zukunft die Risikokultur des Unternehmens in der Schadenverhütung und im Risikomanagement weiterzuentwickeln — Themen, die auch für Solvency II relevant sind.
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