Dr. Alfons Maier
Feuer — vom Risikofaktor zum Risikomanagement
Feuerrisiken managen bedeutet auch, aktive Schadenverhütung innerhalb eines ganzheitlichen Risikomanagements zu betreiben. Ein Plädoyer für ein Risikomanagement, das Vorsorgestrategie und nicht nur Krisenmanagement im Schadenfall ist.
USA, Anfang des 19. Jahrhunderts: Das Feuerrisiko in der baumwollverarbeitenden Industrie wird erst versicherbar, nachdem Hersteller Schutzkonzepte und -maßnahmen umsetzten.
Deutschland, 60er-Jahre: Zuckerfabriken und -raffinerien sind aufgrund enormer Schäden kaum zu versichern — wenn doch, dann nur zu Prämien zwischen 12 und 20 ‰. Die Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft gründet einen Versicherungsverband für Rübenzuckerfabriken, der durch Schadenverhütung und Selektion versucht, die Risiken weiterhin versicherbar zu machen. So können die Prämien innerhalb von zwei Jahrzehnten auf 3,5 ‰ gesenkt werden.
Auch heute noch setzen die erheblichen Schadenpotenziale in der industriellen Feuerversicherung der Assekuranz zu. So summierten sich beispielsweise 2005 auf dem deutschen Markt die Schäden aus Großbränden in der Feuer- und Feuerbetriebsunterbrechungsversicherung auf über 2,9 Milliarden € — gegenüber 2004 eine Zunahme des Schadenaufwands um 19 %. Angesichts steigender Selbstbehalte sind Schadenverhütung und Risikomanagement mehr denn je Schwerpunktthemen der Versicherer.
Schadenverhütung Feuer
Ein wesentliches Element der Schadenverhütung ist es, Brandschutzkonzepte zu erstellen und zu beurteilen. Informationen über das Risiko sind notwendig, um im Underwriting die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Versicherer, die über einen hohen Informationsgrad in ihrem Portefeuille verfügen, unterliegen im Allgemeinen einem geringeren Irrtumsrisiko. Dadurch steigen die Chancen, im Risikogeschäft Ertrag zu erwirtschaften.
In der Industrieversicherung ist es — im Gegensatz zu großen Beständen — üblich, die individuellen Eigenschaften eines Risikos zu analysieren, für das Underwriting aufzuarbeiten und nicht die Risikoinformationen aus den Beständen abzuleiten. Hier sind neben objektiven Risikomerkmalen im Brandschutz insbesondere auch subjektive für die Entscheidungen im Underwriting erforderlich.
Versicherer muss konsequent Einfluss auf Schadenverlauf nehmen
Wichtig für den Versicherer: Wegen des Prämienwettbewerbs muss er konsequent Einfluss auf den Schadenverlauf seines Versicherungsbestands nehmen. Schadenverhütung ist deshalb eine ausgezeichnete Methode, nicht nur die Risikoqualität vor dem Schadenfall zu analysieren, sondern auch auf die Verbesserungen der Risikoqualität des Versicherungsbestands durch Brandschutzkonzepte einzuwirken.
Der Versicherer kann sich im Schadenfall bei Obliegenheitsverletzungen, z. B. bei Risiken mit ungenügenden Sicherheitsstandards, auf die Vertragsfreiheit berufen. Bei Portefeuillesanierungen kann er entscheiden, ob er auch ohne Schaden einen Vertrag nach der Fälligkeit bei ungenügender Risikoqualität erneuert oder nicht.
Schadenverhütung heißt zudem, aus Schäden zu lernen und Erkenntnisse in das Underwriting einfließen zu lassen. So sind heute Zuckerfabriken wohl versicherbar, aber aufgrund der Schadenerfahrung, z. B. Fermentationsschäden an Trockengut, häufig nur gegen Zusatzprämie bis zu einer vereinbarten Entschädigungsgrenze mitversichert.
Auf schadenverhütende Dienstleistungen achten
Schadenverhütende Dienstleistungen für den Kunden wie die systematische Begleitung schlecht verlaufender Risiken sind außerdem für Versicherer und Rückversicherer ein wichtiger Bestandteil des Leistungsprofils. Die Münchener Rück bietet deshalb ihren Zedenten diese Dienstleistung an und vermittelt aufgrund ihrer globalen Sicht Knowhow für Schutzkonzepte, Methoden und neue Technologien.
Schadenverhütungsexperten bearbeiten in einem weltweiten Netzwerk — dem Knowledge Management Topic Network Property Claims — die Themen Schadenverhütung und Risikomanagement.
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