Das Flammeninferno greift um sich
Infolge der hohen Temperatur, die von dem brennenden Paraffinsee ausging, verflüssigten sich die Wachsblöcke im Hof rasch. Die Flammen fanden jetzt reichlich Nahrung und der inzwischen starke Wind trieb sie auf das Lagerhaus zu. Dort entzündeten sie weiteres Rohwachs, das auf über 3000m2 gestapelt war, und die bereits verpackten Kerzen.
Das geschmolzene Wachs überwand sehr schnell die als sicher eingeschätzte Entfernung von 20m zum benachbarten Unternehmen für Metallverarbeitung. Der Betrieb stellte Aluminiumbehälter und -deckel für die Kerzenfabrik her; seine Rohmateriallager und Produktionsanlagen fielen dem Brand ebenfalls zum Opfer. Den Feuerwehrleuten gelang es unterdessen immer noch nicht, das Flammenmeer einzudämmen. Selbst ein heftiger Westwind konnte nicht verhindern, dass das Feuer auf dem flüssigen Wachs auch gegen die Windrichtung loderte und in der Folge ein 2-stöckiges Produktionsgebäude total ausbrannte.
Lediglich ein Bürogebäude, eine weiter entfernt gelegene kleinere Produktionsanlage und ein Lager blieben vom Brand verschont. Ein Großschaden galt als unwahrscheinlich. Ein Gutachten, das bereits vor dem Schaden angefertigt worden war, bestätigte eine ausreichende Anzahl von Handfeuerlöschern in allen Gebäuden. Das Produktionsgebäude erfügte über ein Rauchmeldesystem. Selbst manuelle Feuermelder mit direkter Anbindung an die nächstgelegene Feuerwehr waren vorhanden. Eine behördliche Prüfung und Abnahme der Feuerschutzanlagen hatte allerdings nicht stattgefunden.
Alle gefährdeten Gebäude des Unternehmens waren mit Feuerlöschschläuchen ausgestattet. Die Kerzenproduktion wurde kameraüberwacht. Eine zentrale Feuerwarnanlage war vorhanden. Sprinkleranlagen gab es im Produktionsgebäude wie auch in den beiden anderen Häusern. Wegen der sehr guten Ausstattung des Unternehmens im Hinblick auf Branderkennung und -bekämpfung und aufgrund der großen Abstände zwischen den Gebäuden bewerteten die Versicherer das Risiko des Eintritts eines Großschadens als gering. Wie konnte es dennoch zu diesem gigantischen Schadenfeuer kommen?
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