Erneuerbare Energien – Chancen und Risiken für die Assekuranz

Der erwünschte rasche Ausbau erneuerbarer Energien erfordert gewaltige Anstrengungen. Banken und Versicherern kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Wo liegen die Chancen, wo die Risiken?

Die EU hat alle Mitgliedsstaaten – auch die Beitrittsländer – in einer Richtlinie zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien verpflichtet, dazu beizutragen, den Anteil erneuerbarer Energien an der Elektrizitätsherstellung bis 2010 im Vergleich zu 1997 zu verdoppeln. In Deutschland soll der Anteil in diesem Zeitraum von 4,5 auf 12,5 % steigen.

Die Bedeutung der Kredit- und Versicherungswirtschaft hierbei ist wesentlich größer, als es die breite Öffentlichkeit bisher wahrgenommen hat. Die Münchener Rück bringt sich aktiv in diese Prozesse ein: einerseits wegen des Geschäftsinteresses, das sie als Rückversicherer am Zukunftsmarkt erneuerbare Energie hat, andererseits weil sie die übergeordnete Rolle der erneuerbaren Energien für den Klimaschutz anerkennt.

Die folgenden Tabellen zeigen, getrennt nach Art der Energieerzeugung, welche Chancen und Risiken im ungestörten Normalbetrieb bestehen und welche Gefahren im Schadenfall drohen. Diese vereinfachte Darstellung kann natürlich nur einen groben Überblick geben. Zahlenangaben zu den einzelnen Punkten schwanken stark; deshalb beschränken wir uns darauf, Tendenzen und Problembereiche aufzuzeigen und schließlich darzustellen, was versicherbar ist und was nicht.

Bei vielen Risiken muss der Versicherer den Einzelfall prüfen und dann entscheiden, ob er eine Deckung gewährt. Oft enthalten diese Versicherungslösungen spezielle Bedingungen, die individuell für das Risiko vereinbart wurden: So können technische Maßnahmen abgesprochen werden, um die Schadenexponierung beherrschbar zu machen, oder der Deckungsrahmen kann durch die Bedingungen klar abgesteckt werden.

Die Entscheidung, ob ein Risiko versichert werden kann und zu welchen Bedingungen, wird im Wesentlichen auf der Grundlage der bisherigen Schadenerfahrungen und der Exponierung getroffen. Die Risiken, die mit erneuerbaren Energien verbunden sind, werden von den Experten der Münchener Rück anhand einer fundierten Analyse eingeschätzt, bewertet und in individuelle Versicherungslösungen übersetzt. Dazu gehört neben dem klassischen fakultativen Rückversicherungsgeschäft in diesem Bereich auch ein umfassender Service für unsere Kunden – die Erstversicherungsgesellschaften.

Ihnen stehen wir gern zur Seite, wenn sie mit Herstellern und Betreibern verhandeln. Im Einzelfall prüft die Münchener Rück auch die Möglichkeit, Zweckgesellschaften abzusichern, die Projekte wie Wasser- oder Solarkraftwerke, Windparks oder thermische Anlagen finanzieren, indem sie Zahlungsrisiken in einem sehr risikoentfernten Bereich übernehmen. Diese strukturierten Versicherungslösungen erlauben es den finanzierenden Zweckgesellschaften, entweder weniger Eigenkapital bzw. regulatorisches Kapital hinterlegen zu müssen oder Fremd- bzw. Hybridkapital zu günstigeren Konditionen am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Was die Einschätzbarkeit der technischen, bilanziellen, regulatorischen, steuerlichen, Kredit-, Finanz- und Energiemarktmechanismen anlangt, sind diese Konstruktionen durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet. Die Experten aus dem Bereich Special and Financial Risks, die für die Zeichnung dieser neuartigen Risiken verantwortlichen sind, greifen hier auf ausgewiesene Fach- und Spezial-Knowhows aus anderen Geschäftsbereichen der Münchener Rück zurück, um den Kunden die beste Lösung anbieten zu können.