Offshore und Versicherungen
Aus dem Blickwinkel der Versicherer ergeben sich bei den Offshoreanlagen vor allem Probleme beim Risikomanagement.
Schon der Aufbau der Anlagen ist riskant. Im Offshore- Windpark Nysted in der dänischen Ostsee stehen die Windkraftanlagen beispielsweise auf Fundamenten, die aus 1.300 t schweren Betonklötzen bestehen. Sie nehmen noch einmal 500 t Gestein als Ballast auf. Diese Betonfundamente werden an Land gegossen und mit Spezialschiffen zum Aufstellungsort transportiert. Solche Schiffe haben bereits im Ölgeschäft ähnliche oder schwierigere Aufgaben bewältigt. Dennoch können Unfälle geschehen. So hatte ein Schiff im Windpark Horns Rev mit seinem Anker das schwere Stromkabel in einer der Windturbinenreihen zerrissen.
Hohe Reparaturkosten
Die Aufwendungen für diese Reparatur waren um ein Vielfaches höher als die Kosten einer vergleichbaren Reparatur an Land. Als handhabbar gilt inzwischen das Aufstellen der Türme, wenn so viele Arbeiten wie möglich an Land erledigt werden. Jede Arbeit auf hoher See kostet bis zu hundertmal so viel wie an Land. Deshalb werden auf See nur noch die großen Bauteile miteinander verbunden. Eingespielte
Montagecrews bauen eine der riesigen Offshore-Windanlagen mittlerweile in weniger als sechs Stunden auf. Kurze Aufbauzeiten für die Mühlen bedeuten, dass die Windparkbauer nicht auf längere Schönwetterphasen angewiesen sind, sondern jedes kleine Zwischenhoch nutzen können. Damit sparen sie erheblich, denn bei den zwei dänischen Windparks waren zu Spitzenzeiten 400 Mann und 25 Boote im Einsatz.
Als Sonderproblem gilt die Wartung der Anlagen: Bei einigen Metern Seegang ist es für Reparaturteams schwierig, an den Windkraftanlagen anzulegen. Doch Spezialfirmen wollen hier Abhilfe schaffen. So wird derzeit ein neuer Bootstyp für den Einsatz in Offshore-Windparks entwickelt, der wesentlich weniger empfindlich für Seegang ist.
Zusätzlich zu den Schadenszenarien, die für landgebundene Windenergieanlagen gelten, ist bei Windenergieanlagen auf See zu bedenken, dass sich Fundamente schief stellen können; oder dass Schiffe mit den Anlagen kollidieren, wenn sie manövrierunfähig sind, wegen Nebel keine Sicht haben oder wenn Meeresströmungen zu Navigationsfehlern geführt haben.
Witterungsschäden können an Turm und Rotor auftreten, etwa durch so genannte Jahrhundertstürme. Versicherer haben bisher kaum Erfahrungen mit Offshore- Windenergieanlagen. Es liegt auf der Hand, dass die Kosten für zu versichernde Schäden, die Stürme oder Schiffskollisionen verursachen, um ein Vielfaches höher sind als bei Anlagen an Land.
Aus der Versicherung von Bohrinseln ist bekannt, wie aufwändig und teuer es ist, Schäden zu beheben. Deshalb müssen Versicherungsprodukte für Offshore-Anlagen entwickelt werden, die diesen Anforderungen gerecht werden.
Die Münchener-Rück- Experten für klassische Offshoreanlagen (etwa für die Ölund Gasgewinnung) arbeiten eng mit den Spezialisten für Windkraftwerke zusammen. Dies hat es schon frühzeitig erlaubt, das mit diesen Anlagen verbundene Risiko fundiert einzuschätzen, sodass es möglich war, risikogerechte Prämien und Bedingungen zu entwickeln.
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