Offshore-Windkraft: Erfahrungen aus Dänemark
Die Nordsee gilt in der Schifffahrt als schwieriges Gewässer. Auch Windkraftanlagen müssen nun die raue Witterung verkraften – Wind, Seegang, Salzwasser, Sprühnebel und Eis greifen das Material an. Der größte Windpark der Welt, Horns Rev, soll beweisen, dass die Offshoretechnologie diesen Anforderungen gewachsen ist.
Seit 2002 steht der Windpark Horns Rev mit seinen 80 Windmühlen des Typs Vestas 2 MW in den Nordseewellen, 14 bis 20 km entfernt von den Sandstränden Blåvandhuks. Das ist der westlichste Teil von Jütland, dem dänischen Festland. Die Gesamtleistung des Windparks von 160 Megawatt genügt, um 150.000 dänische Haushalte mit Elektrizität zu versorgen. Etwa 600 Millionen Kilowattstunden beträgt die jährliche Stromernte.
Schon der Aufbau des Parks war ein Wagnis mit vielen Herausforderungen: So mussten die Windkraftanlagen mit ihren Rotoren, die 80 m Durchmesser haben, von Spezialschiffen aufgestellt werden. Zuerst wurden die Fundamente aus so genannten Monopfählen, ca. 4 m dicken Stahlrohren, etwa 25 m in den Meeresboden gerammt. 6 bis 14 m ist das Wasser hier tief, die einzelnen Anlagen liegen je 560 m auseinander. Dann wurden Übergangsstücke mit schon montierten Arbeitsbühnen, Bootsanlegern und Kabelschutz auf die Fundamente aufgesetzt.
Mit speziellen Jack-up-Wasserfahrzeugen brachten Montagetrupps die Windenergieanlagen an. Diese Jack-ups stehen dank versenkbarer Ständer fest auf dem Meeresboden. Sie transportieren zwei komplette Windenergieanlagen gleichzeitig und stellen sie mithilfe eigener Kräne auf das Fundament. Die Türme, auf denen die Gondeln mit den Generatoren und Rotoren montiert sind, sind 70 m hoch. Ein Turm wiegt allein 160 t, jede Gondel 79 t.
Langfristig werden bis zu 25000 MW installiert
Kabel verbinden die Anlagen mit einer Umspannstation. Von hier fließt der Strom über ein Seekabel, das im Meeresboden eingegraben ist, in das dänische Netz. Der dänische Stromkonzern Elsam überwacht die Anlagen von Land aus. Neue Wartungskonzepte waren nötig, weil der Park weit draußen auf See liegt. So sind auf den Gondeln Plattformen angebracht, auf die das Wartungspersonal vom Hubschrauber aus abgeseilt werden kann, wenn die See für eine Bootsfahrt zum Arbeitsplatz zu rau ist.
Deutsche Behörden gehen davon aus, dass langfristig Windkraftanlagen bis zu 25.000 Megawatt in der deutschen Nord- und Ostsee zu installieren sind. Ende 2003 hatten verschiedene Initiatoren etwa 30 Projekte beantragt. Mit ihren Größen von mehreren 100 Megawatt erreichen solche Offshore-Windkraftprojekte Investitionsvolumina in dreistelliger Millionenhöhe – eine für die Windenergiebranche neue Dimension.
Auch die hohen Bau- und Betriebsrisiken stellen die mittelständisch geprägte Windenergiebranche vor neue Herausforderungen. Damit sich die Projekte finanzieren und versichern lassen, sind noch zahlreiche offene Fragen zu beantworten: vom Genehmigungsrecht über Infrastruktur und Anlagentechnik bis hin zur Wirtschaftlichkeit.
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