Das "Fündigkeitsrisiko"
Das bislang größte Investitionshindernis bei der geothermischen Energieerzeugung ist das so genannte Fündigkeitsrisiko, also die Frage, ob mit der Bohrung überhaupt oder ausreichend viel heißes Wasser zutage gefördert werden kann und das Projekt wirtschaftlich erfolgreich wird. Denn je nach Bohrtiefe und Dimension kostet eine geothermische Tiefbohrung zwischen 3 und 5 Millionen €.
Bis eine Bohrung niedergebracht und abgeschlossen ist, bleibt aber unklar, ob und wie viel Thermalwasser gewonnen werden kann. Bislang musste ein Investor dieses enorme Risiko allein tragen. Die Konsequenz: Viele Projekte verharren in einem Vorbereitungsstadium. Der Arbeitskreis Risikoabsicherung des Projektes "Geothermische Stromerzeugung – Vernetzung und Bewertung der Aktivitäten im Bereich geothermische Stromerzeugung" beim Bundesumweltministerium in Berlin hat verschiedene Möglichkeiten diskutiert, um die finanziellen Risiken geothermischer Erkundungsbohrungen abzusichern. Dass ohne diese Absicherung auf absehbare Zeit keine Geothermieprojektes in größerer Zahl starten werden, ist einhellige Meinung.
Nach Ansicht der Experten sollte aber nur das Fündigkeitsrisiko abgesichert werden, das durch die Parameter Massenstrom, Temperatur und Nachhaltigkeit bzw. Dauer der Nutzung definiert ist. Geologische und technische Risiken sind von den Projektgesellschaften oder den Bohrunternehmen zu tragen, so die Experten. Eine entsprechende Versicherung müsste den Schaden decken, der eintritt, wenn der angestrebte Erfolg nicht erreicht wird – wenn also eine Bohrung trotz Stimulationsmaßnahmen so schlechte Ergebnisse bringt, dass es sich nicht lohnen würde, das Thermalwasser zu fördern.
Ermittlung der maximalen Schadenhöhe
Die maximale Schadenhöhe ergibt sich dann aus den Bohrkosten zuzüglich der Kosten für etwaige Stimulationsmaßnahmen. Um den Schaden bei einem Teilerfolg einer Bohrung zu bestimmen, ist eine Prognose nötig, aus der hervorgeht, welche Erlöse nach einer erfolgreichen Bohrung zu erwarten wären. Um Prognose und tatsächliche Erlöse zu berechnen bzw. zu überprüfen, muss eine unabhängige und sachverständige Instanz geschaffen werden.
Da es bisher erst wenige Geothermieprojekte gibt, liegt nur eine schmale Datenbasis vor. Das erschwert den Versicherern die Kalkulation der Risiken. Daher wurde diskutiert, einen Fonds von der öffentlichen Hand einrichten zu lassen. Er sollte privatisiert werden, sobald sich die Zahl der Projekte erhöht und damit die Datenbasis verbreitert hat.
Aber auch ein staatlich initiierter Versicherungsfonds müsste Risiken zuverlässig kalkulieren können. Eine bisher nicht realisierte Hilfe wäre hier ein öffentlich zugänglicher Pool mit geologischen, hydraulischen und anderen Daten oder die Festlegung geographischer oder geologischer Regionen.
Im Fall des Geothermieprojektes Unterhaching wurde ein anderes Modell verwirklicht: Die Münchener Rück hat in einem versicherungstechnischen Pilotprojekt die europaweit erste privatwirtschaftliche Fündigkeitsversicherung für eine geothermische Tiefbohrung abgeschlossen. Mit viel Fach- und Spezialwissen wurde für dieses neuartige Risiko ein maßgeschneidertes Versicherungskonzept in zahlreichen Gesprächen mit Münchener-Rück-Spezialisten wie Geologen oder Bohrtechnikern entwickelt.
Dabei halfen auch externe Gutachten. Einzelne Geothermieprojekte, die in der Region bestehen, liefern bereits Daten und Erfahrungen, sodass es möglich ist, Wahrscheinlichkeitsmethoden anzuwenden.
Der erfolgreiche Abschluss dieses einmaligen Versuches wird darüber entscheiden, inwieweit dieses Risiko in Zukunft als versicherbar eingestuft wird. Dies ist ein neues Kapitel in der Geschichte der Förderung regenerativer Energien in Deutschland: Den Investoren wird die alleinige Risikotragung abgenommen. Die Fündigkeitsversicherung ist ein Pilotprojekt, dessen Verlauf darüber entscheiden wird, wie die Risiken zwischen Investoren und anderen Beteiligten künftig verteilt werden. Letztlich hängt es auch von diesem Pilotprojekt ab, wie schnell sich die umweltfreundliche geothermische Energiegewinnung durchsetzen kann.
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