Geothermieprojekt Unterhaching
Die 20.000-Einwohner-Gemeinde Unterhaching bei München bohrt tief: 3.400 m unter der Erde vermuten die Stadtväter, auf geologische Gutachten gestützt, 100 bis 120° C heißes Wasser. In einem Geothermiekraftwerk wollen sie daraus Energie gewinnen.
150 l heißes Wasser pro Sekunde soll das Geothermiekraftwerk nach oben befördern. Dort soll das Wasser künftig einem Heizkraftwerk als umweltfreundliche Energiequelle dienen, das rund 3,7 Megawatt Strom und bis zu 16 Megawatt Wärme liefern könnte. Gleichzeitig erprobt die kommunale Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG erstmals großtechnisch eine neuartige, effizientere Technologie, die so genannte Kalina-Technik. Sie soll auch bei niedrigerer Wassertemperatur im Erdinnern eine hohe Energieausbeute ermöglichen.
Das Geothermieprojekt könnte ein Vorzeigevorhaben für die Einbindung in ein kommunales Energiekonzept werden: Es sieht unter anderem vor, ein Fernwärmenetz aufzubauen, das öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Wohngebäude mit Wärme versorgen soll. Es könnte fossile Energieträger ersetzen und jährlich bis zu 30.000 t Kohlendioxid vermeiden helfen sowie über 7 t Schwefeldioxid und fast 11 t Stickstoffoxide.
Mit der Koppelung von Strom- und Wärmeerzeugung ist das Projekt in Deutschland bislang einmalig. Wirtschaftlich interessant an dem Vorhaben, das tief in das Innere des bayerischen Molassebeckens vordringen wird, sind unter anderem die Erlöse aus der Stromeinspeisung: Das deutsche Erneuerbare-Energie- Gesetz schreibt vor, dass Strom aus Geothermie in die bestehenden Stromnetze eingespeist werden darf und von den Stromversorgern zu festgelegten Sätzen vergütet werden muss.
Mindestens drei Monate lang wird sich das 70 t schwere Bohrgerät mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 2 m pro Stunde für die bisher größte geothermale Tiefbohrung in Deutschland in den Boden graben. Der Bohrmeißel für die ersten 800 m misst 56 cm im Durchmesser.
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