Energie – ohne sie bewegt sich nichts
Neben gesicherter Wasserversorgung und -entsorgung ist eine umweltschonende Energieversorgung eine Grundvoraussetzung für die Besserung der Lebensverhältnisse in den Schwellen- und Entwicklungsländern, für Wachstum und Wohlstand in den Industrieländern.
Der Grund für die überproportionale Zunahme des Energieverbrauchs in den letzten Jahrzehnten und für die Prognose eines steilen Anstiegs im nächsten Jahrhundert ist der gewaltige Nachholbedarf in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Heute verbrauchen nur 20 % der Weltbevölkerung 80 % der Primärenergien, die verbleibenden 80 % der Weltbevölkerung lediglich 20 %.
Ein Drittel der Menschheit hat überhaupt noch keinen Zugang zu moderner, zuverlässiger und bezahlbarer Energieversorgung. Die vom Club of Rome 1972 vorhergesagte Erschöpfung der Primärenergie-Rohstoffe Erdöl und Erdgas in den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrtausends zeichnet sich bisher nicht ab. Durch verfeinerte Methoden der Exploration wurden laufend neue Vorkommen und größere Ressourcen entdeckt.
Aufgrund neuer Gewinnungstechniken, z. B. im Offshorebereich, erhöhte sich die Ausbeute aus den bekannten Lagerstätten beträchtlich. Dadurch verschob sich die drohende Verknappung der Primärenergien weiter in das erste und zweite Jahrhundert des dritten Jahrtausends. Die berechtigten Sorgen um die Umweltbelastung und die Verteuerung der Primärenergien zwingen zu Energieeinsparung und Effizienzsteigerung bei Verbrauch und Umwandlung zu den Sekundärenergien wie beispielsweise Elektrizität.
Die Erschließung regenerativer Primärenergien wie Wasserkraft, Sonnen-, Windenergie, Biomasse
und Geothermie können die Energievorräte strecken und umweltfreundlich den zunehmenden Energiebedarf einer wachsenden Menschheit gewährleisten.
Große Hoffnungen knüpften sich an die Einführung der Supraleitung in die Energieerzeugungs- und Verteilungstechnik, besonders bei Generatoren und Transformatoren. Mit einem Zeithorizont bis 2050 arbeiten die führenden Industriestaaten an der Kernfusion als praktisch CO2-neutraler, deshalb umweltschonender und nahezu unerschöpflicher Energiequelle.
Erneuerbare Energien: Wasser und Windkraft
Bei den alternativen oder regenerativen Energien steht heute der Ausbau der Wasser- und Windkraft an erster und zweiter Stelle. Die betriebenen Wasserkraftwerke der verschiedenen Bauarten sind dank bewährter Technik verlässliche Garanten einer sicheren Energieversorgung, die von der Grund- bis zur Spitzenlast alle Anforderungen der Versorger und Verbraucher erfüllen. Eine geringfügige Methanbelastung tritt nur zeitweise beim Aufstau neuer Ober- und Unterwasserstaubereiche ein.
Eine ähnlich positive Bewertung verdienen heute nach zwei Jahrzehnten Erprobung Windturbinenanlagen, die zurzeit noch vorwiegend auf dem Lande installiert sind. Wegen sich regender Widerstände der Anwohner werden in der Zukunft jedoch mehr Offshorewindfarmen errichtet werden, die zwar den Nachteil höherer Investitions- und Wartungskosten haben, aber weder optisch noch durch ihre Schallabstrahlung stören.
Sonnenenergie und Biomasse
Die Nutzung der Sonnenenergie durch thermische Kollektoren ist in weiten Teilen der Erde für die Warmwassererzeugung bereits verwirklicht. Die eigentlich ideale direkte Erzeugung von Elektrizität durch Photovoltaik ist immer noch im Erprobungsstadium wegen der relativ hohen Investitionskosten und Schwierigkeiten hinsichtlich der Langzeitbewährung der Solarzellen unter realen Witterungsverhältnissen.
Biomasse und ihre direkte Verbrennung oder Verschwelung zur Gaserzeugung werden besonders zur Verwertung von Abfallprodukten der Land- und Waldwirtschaft wie auch der Holzverarbeitung erfolgreich, aber in geringem Umfang zu einer CO2-neutralen Energieversorgung genutzt. Diese kleineren Anlagen können heute bereits Alternativen für gasbefeuerte Blockheizkraftwerke sein. Brennstoffbedingt treten im Langzeitbetrieb Belastungen durch Abgase und Korrosionen in den Anlagen auf. Beide Störungen verursachen höhere Aufwendungen für Betrieb, Wartung und Instandhaltung der Anlagen als bei der Projektierung für die Wirtschaftlichkeitsrechnung angenommen.
Die gleichen Probleme bereiten Haus-, Gewerbe und Industrieabfälle verwertende Müllheizkraftwerke und Müllverschwelungsanlagen, die nach verschiedenen Verfahren arbeiten. Das Schwelbrennverfahren sowie auch Pyrolyse und Vergasungsverfahren haben wegen Komplikationen im rauen Alltagsbetrieb mit dem schwierigen Einsatzstoff "Müll" die in sie gesetzten Hoffnungen bis heute enttäuscht.
Die modernsten Müllverbrennungsanlagen mit hoch entwickelter Feuerungs- und Abgasreinigungstechnik erfüllen hingegen alle Anforderungen an einen umweltfreundlichen Betrieb. Sie produzieren neutrale verwertbare Reststoffe und geringst mögliche toxische Verbrennungsrückstände, die als Sondermüll entsorgt werden.
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