Risikobeurteilung
Stehen Deckungsumfang sowie Zahl und Art der zu versichernden Bohrungen und die Bohrungslänge fest, ist eine angemessene Prämie zu bestimmen. Allgemein gilt: Die Prämie richtet sich nach der Tiefe der Bohrung – je tiefer die Bohrung, desto höher die Prämie. Auf die Basisrate (in € pro m Bohrtiefe) werden dann Faktoren angewandt, die z. B. abhängen von der geografischen Lage der Bohrung, der Art der Bohrung (beispielsweise Exploration, Feldentwicklung oder Produktion), der gewünschten Deckungssumme, dem Selbstbehalt und den Kosten der Bohrung.
Da menschliches Versagen bei Schäden häufig eine große Rolle spielt, muss der Versicherer besonderes Augenmerk legen auf die Erfahrung des Öl- oder Gasunternehmens und der Bohrfirma sowie die Qualität der eingesetzten Ausrüstung. Häufigkeit und Ausmaß der Schäden können unverhältnismäßig stark zunehmen, wenn das Bohrprogramm unzureichend ist oder unerfahrene Bohrmannschaften und schlechte Ausrüstung eingesetzt werden.
Deshalb sind für eine richtige Risikobeurteilung Erfahrung und Fachwissen notwendig. Das Risiko eines Blowouts kann gering sein aufgrund bekannter geologischer Verhältnisse wie auch aufgrund der langjährigen Bohrerfahrung der Öl- und Gasindustrie in einer bestimmten Region. Dagegen ist das Risiko in einer wenig erforschten Region deutlich höher, was beträchtliche Prämienzuschläge erfordert. Ein Beispiel: Eine 7.000 m tiefe Offshore- Explorationsbohrung im Golf von Mexiko bei einer Wassertiefe von 1500 m birgt ein deutlich größeres Risiko als eine 1.000 m tiefe Entwicklungsbohrung auf dem kanadischen Festland.
In einer derart volatilen und komplexen Sparte wie der CoW ist die Risikominimierung besonders wichtig: Beispielsweise kann das Risiko verbessert werden, indem ein unabhängiger Sachverständiger das Bohrprogramm prüft oder die Bohranlage und ihre wichtigsten Komponenten begutachtet. Auch ein maßgeschneiderter Notfallplan kann entscheidend zur Schadenminimierung beitragen, wenn es tatsächlich zu einem Blowout kommt.
CoW ist eine anspruchsvolle Versicherung, die kontinuierlich an die technische Entwicklung und die sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst werden muss. Ihre Besonderheiten verlangen, dass ausschließlich Experten die Risiken bewerten und die Versicherungslösungen entwickeln. Notwendig sind dafür fundierte technische Kenntnisse und Erfahrung mit dieser Deckungsart sowie kommerzielles Einschätzungsvermögen. Nur dann kann der Öl- und Gasindustrie ein attraktiver Versicherungsschutz geboten werden, der nicht nur einen angemessenen und zuverlässigen, sondern auch für beide Seiten fairen Risikotransfer ermöglicht.
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