EED (8/86) – Grundlage der Vertragsformulierung
Weil das Risiko so komplex und exponiert ist, entwickelte der Londoner Markt 1986 das Energy Exploration and Development Wording, kurz EED (8/86). Es liegt bis heute den meisten der weltweit angebotenen Deckungen zugrunde. Mit dem EED (8/86) ist es gelungen, die Deckungsabsicht in klare Vertragsformulierungen umzusetzen. Unter anderem berücksichtigt es auch den Deckungsausschluss für sogenannte Kicks: Dabei fließen Öl oder Gas unkontrolliert in das Bohrloch ein, es gelingt aber, diesen Zufluss mit bohrtechnischen Maßnahmen wieder zu unterbinden. Ein Kick kann zwar zusätzliche Kosten verursachen, die Assekuranz hält ihn jedoch für ein typisches bohrtechnisches Problem, das vorhersehbar und damit nicht versicherbar ist.
Die folgende kurze Analyse des Wordings gibt einen guten Überblick über die derzeit angebotenen Deckungen. Drei Kernelemente lassen sich unterscheiden: "control costs", Kosten für eine Ersatzbohrung (redrill) sowie die Kosten der Haftung für Umweltschäden (seepage and pollution).
Kernpunkt des Wordings ist die "außer Kontrolle geratene Bohrung" (Well out of Control):
"Eine außer Kontrolle geratene Bohrung im Sinne dieser Versicherung liegt nur dann vor, wenn Bohrspülung, Öl, Gas oder Wasser oberhalb der Erdoberfläche bzw. des Meeresbodens unkontrolliert aus der Bohrung ausströmen und
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wenn es nicht unverzüglich gelingt, diesen Ausbruch • unter Einsatz der auf der Bohranlage vorhandenen Sicherheitsausrüstung wie des Blowout- Preventers oder anderer Einrichtungen, die gemäß den internationalen Standards und den Klauseln dieses Vertrags vorzuhalten sind, unter Kontrolle zu bringen, oder • dadurch zu beenden, dass man die Dichte der Bohrspülung erhöht oder sonstige Konditionierungsmaterialien in der Bohrung einsetzt, oder • sicher in die Förderung überzuleiten, oder
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wenn die zuständige Aufsichtsbehörde erklärt, dass die Bohrung außer Kontrolle geraten ist.
Eine außer Kontrolle geratene Bohrung im Sinne dieser Versicherung liegt jedoch nicht vor, wenn ein unkontrollierter Zufluss von Öl, Gas oder Wasser in die Bohrung auftritt, der innerhalb angemessener Zeit mittels der übertägigen Förderanlagen auszirkuliert oder abgeleitet werden kann."
13 Münchener Rück, Schadenspiegel 1/2007 Im Fokus Diese Definition bildet den Dreh- und Angelpunkt des Wordings. Sie legt fest, unter welchen Bedingungen die Deckung zum Tragen kommt. Sobald die Bohrung wieder unter Kontrolle ist, erlischt die Deckung. Auch das ist im Wording exakt definiert.
Die Versicherung kann zudem die Kosten für eine Ersatzbohrung oder die Wiederherstellung der Bohrung decken. Dies darf jedoch nicht zu einer Besserstellung führen. Die Deckung für derartige Kosten wird daher wie folgt eingeschränkt:
"Der Versicherer haftet nicht für Kosten und/oder Aufwendungen, die
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beim Niederbringen einer Bohrung entstehen, um tiefer zu bohren als bis zu der Tiefe, die zum Zeitpunkt des Außerkontrollegeratens der Bohrung erreicht war, bzw. die
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bei einer produzierenden oder einer stillgelegten Bohrung entstehen, um tiefer zu bohren als der geologische Bereich, aus dem gefördert wurde bzw. gefördert werden konnte."
Auch die Deckung für Umweltschäden kann eingeschlossen werden. Ersetzt werden die Kosten für Aufräum- und Sanierungsarbeiten, für die das Unternehmen gesetzlich haftet.
Weitere Deckungsbestandteile können diese drei Kernelemente ergänzen. So kann auch das Risiko eines Underground-Blowouts (Ausbruch unterhalb der Erdoberfläche) gedeckt werden. Damit sind die Kosten für Maßnahmen gedeckt, mit denen das unkontrollierte Fließen von Öl oder Gas in der Bohrung von einer unterirdischen Formation in eine andere unterbunden wird. Entgegen der Annahme, dass sich eine solche Erweiterung nur geringfügig auswirkt, ist festzuhalten, dass gerade diese Deckung für den Versicherer ein wesentliches Risikopotenzial darstellt. Ein weiterer optionaler Bestandteil ist die Deckung für Sachschäden an der Ausrüstung, die von Drittfirmen im Rahmen der Bohrarbeiten eingesetzt wird und für die das Unternehmen die Verantwortung übernimmt. Gedeckt sind die Schäden aber nur, wenn sie durch einen Blowout verursacht wurden.
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