Dr. Alfons Maier

Unkontrollierter Gasausbruch – brandgefährliches und komplexes Risiko

60 m hoch schoss die Flamme, als bei einer Produktionsbohrung an einem Gasspeicher unkontrolliert Gas ausbrach und sich entzündete: ein Blowout.

Der unterirdische Porenspeicher in einer Kalksteinformation in Polen hat eine Kapazität von etwa 600 Millionen m3. Mit acht Bohrungen plant man, die Speichermenge künftig auf 3,5 Milliarden m3 auszudehnen – das Erdgaslager wäre dann eines der größten Europas.

Bei der vierten Bohrung – eine horizontale Tiefenbohrung mit einer Endteufe von 1.500 m – bemerkte man zwei Tage vor dem Schaden deutliche Verluste von Spülflüssigkeit (Bentonitschlämme). Diese wird während des Vortriebs durch das Bohrgestänge eingepumpt, um beim Anbohren einer Lagerstätte den Druck auszugleichen. Flüssigkeit musste also in angrenzendes Gestein gelaufen sein. Die Verluste verstärkten sich, man versuchte zwar, sie umgehend zu beheben, jedoch ohne Erfolg.

Da zu wenig Spülflüssigkeit vorhanden war, brach das Gas aus dem Bohrloch aus und entzündete sich. 60 m schoss die Flamme in die Höhe – sie war kilometerweit zu sehen.

Blowout

Der unkontrollierte Ausbruch von Öl oder Gas aus einer Explorations- oder Produktionsbohrung ist extrem gefährlich. Weltweit können nur wenige Spezialisten das Ausströmen unterbrechen – egal ob die Quelle brennt oder nicht. Bei den Erstmaßnahmen kommt es vor allem darauf an, Umgebung und Rettungskräfte mit Wasser zu kühlen. Dann muss unverzüglich der Blowout-Preventer, d. h. die Bohrlochsicherung (eine Anordnung spezieller Schieber am Bohrloch), geschlossen oder ausgetauscht werden. Ein lebensgefährliches, technisch sehr aufwendiges, aber auch lukratives Geschäft – eine Königsdisziplin der Brandbekämpfung.

Schwieriger Löscheinsatz

Der Bohrturm brach nach etwa 30 Minuten zusammen. Für die weiteren Löscharbeiten musste er beseitigt werden. Extrem schwierig für die Feuerwehrleute: Um an den Bohrturmfragmenten Stahlkabel anzubringen, mussten sie sehr nahe an die Flamme heran; hitzebeständige Bekleidung war erforderlich. Rund 5 t Stahlschrott – etwa ein Drittel der Bohrturmstruktur – wurden anschließend mit Spezialfahrzeugen geräumt.

Im Einsatz waren rund 200 Feuerwehrleute sowie mehrere Bohr- und Minenexperten. Da ein weiterer Bohrturm (etwa 45 m entfernt) und eine Entnahmestelle (etwa 15 m entfernt) ebenfalls gefährdet waren, musste man sie sowie weitere umliegende Einheiten kontinuierlich mit Wasser kühlen. 22 Feuerwehr- und 16 Wassertankfahrzeuge wurden eingesetzt. Das Löschwasser wurde rasch knapp, konnte aber aus einer etwa 2 km entfernten natürlichen Quelle ergänzt werden. Polizei und Feuerwehr sperrten aus Sicherheitsgründen das Gebiet sowie alle Zufahrtsstraßen weiträumig ab.

Jetzt trat der Notfallplan in Kraft. Der Betreiber, das zuständige Bergamt und spezielle Minenexperten leiteten Maßnahmen ein, um das Ausströmen des Gases zu unterbinden. Dafür entwickelten sie zwei voneinander unabhängige Vorgehensweisen: Zum einen versuchte man, den Blowout-Preventer durch Einpressen von Wasser zu schließen, zum anderen sollte eine Entlastungsbohrung niedergebracht werden.

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