Unterirdische Verkehrssysteme

Eine moderne, leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist entscheidend für die erfolgreiche wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung eines Landes. Dies gilt für den innerstädtischen sowie den regionalen, überregionalen und grenzüberschreitenden Verkehr.

Neben einem gut funktionierenden Nah- und Fernstraßennetz spielen schienengebundene öffentliche Verkehrsmittel eine wichtige Rolle. Besonders in den Städten nehmen Verkehrsdichte und Bebauungsgrad stetig zu und machen unterirdische Verkehrsadern immer notwendiger.

In vielen Industrienationen existieren inzwischen Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnlinien für den Transport von Menschen und Gütern als umweltverträgliche Alternative zu Auto und Flugzeug. Ihre geradlinige oberirdische Trassierung erfordert unter anderem zahlreiche Tunnelbauwerke.

Innerstädtischer Tunnelbau - U-Bahnen, Straßen- und Versorgungstunnel

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten U-Bahnen vorwiegend in den Metropolen Mitteleuropas. Seit den 1970er-Jahren verfügen die meisten Großstädte in den führenden Industrienationen USA und Japan sowie in Europa über U-Bahn-Netze. Inzwischen boomt der U-Bahn-Bau besonders in den Wachstumsländern Asiens, Südamerikas sowie Süd- und Osteuropas. Darüber hinaus werden weltweit die U-Bahn-Netze ausgebaut.

Ebenso bedeutsam wie der U-Bahn-Bau ist die Errichtung innerstädtischer Straßen- und Versorgungstunnel. Planungsverfahren, Baumethoden und Risiken sind hierbei nahezu identisch.

Lange Eisenbahntunnel - Hochgeschwindigkeitsstrecken und Alpentransversalen

Der französische TGV und der japanische Shinkansen machten in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts den Anfang. Einige europäische Länder (wie Deutschland mit seinem ICE) entwickelten die Technologie der Hochgeschwindigkeitszüge fort. Inzwischen zählen sie zum schnellsten, leistungsfähigsten und umweltfreundlichsten Verkehrsmittel im Mittelstreckenbereich. Die ideale Lage der Bahnhöfe in den Stadtzentren, die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit und die geradlinige Streckenführung garantieren einen hohen Standard in puncto Schnelligkeit und Komfort.

Viele Streckenführungen entsprechen aber nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Der gesamte Transport ist wenig effizient und zu langsam. Neue, in ihren Dimensionen bisher einmalige Tunnelprojekte sollen diesen Zustand ändern.

Die stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, höhere Geschwindigkeiten und besondere geographische Bedingungen liegen den wohl anspruchsvollsten und längsten Tunnelprojekten der Gegenwart zugrunde. Unter dem Projektnamen "Alptransit" werden in der Schweiz die Basistunnel unter dem Lötschberg (Länge: 35 km) und dem Gotthard (57 km) aufgefahren.

Wenn die beiden Eisenbahntunnel im Jahr 2014 fertig gestellt sind, verkürzt sich die Fahrzeit der Züge zwischen Zürich und Mailand um über eine Stunde. Eine ähnlich effiziente Alpentransversale ist mit dem Brenner-Basistunnel in Österreich und Italien geplant. Neue Linien sind auch in zahlreichen europäischen Ländern sowie in Taiwan im Bau. Ein ebenso anspruchsvolles Projekt steht in der Volksrepublik China an mit der geplanten Verbindung von Peking und Schanghai.

Solche Vorhaben erfordern umfangreiche Tunnelbaumaßnahmen - häufig in sehr beengten Verhältnissen in Innenstädten oder unter schwierigsten topographischen und geologischen Bedingungen im Hochgebirge. In der Regel werden dabei alle verfügbaren Bautechniken eingesetzt.

Weltweit einheitliches Regelwerk schafft identische Sicherheits- und Qualitätsstandards

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Spektakuläre Schadenereignisse lassen sich bei Tunnelbauten nicht vermeiden. Obwohl die Versicherungsbranche im Lauf der Jahre katastrophale Ergebnisse bei der Bauleistungs-/CAR- Versicherung von Tunnelrisiken erlitt, will sie sich auch in Zukunft nicht als einer der Hauptrisikoträger derartiger Projekte verweigern.

Dies kann jedoch nur geschehen, wenn das Risikomanagement in allen Phasen eines Tunnelbauprojekts grundlegend verbessert wird: angefangen bei der Planung, über die Vergabe, bis hin zur Bauausführung. Mit dem "Joint Code of Practice for Risk Management of Tunnel Works" gelang es Bauindustrie und Assekuranz in Großbritannien, ein Regelwerk zu schaffen, das alle Projektbeteiligten akzeptieren. Die weltweite Einführung und Umsetzung seiner Vorgaben soll künftig entscheidend zu höchstmöglichen Sicherheitsund Qualitätsstandards auf Tunnelbaustellen beitragen und somit Schadenereignisse minimieren.