Günter Letzel

Straße stürzt beim Bau einer U-Bahn-Station ein

Der beschriebene Schaden ereignete sich während der Bauarbeiten an einer U-Bahn und zog eine Straße in Mitleidenschaft. Der Tunnel wurde in offener Bauweise errichtet.

Der unter einer CAR-Police versicherte Bauabschnitt umfasste die Erstellung einer U-Bahn-Station mit einem Ventilationsschacht. Damit der Oberflächenverkehr ungehindert fließen konnte, führte man die achtspurige Straße oberhalb der Baustelle auf Stahlplatten weiter, die man auf einer Stahlkonstruktion befestigte.

Der Einsturz ereignete sich an einem Samstagmorgen um 6.10 Uhr; zu dieser Zeit war der Straßenverkehr noch sehr Der Einsturz ereignete sich an einem Samstagmorgen um 6.10 Uhr; zu dieser Zeit war der Straßenverkehr noch sehr gering. Ein Bus, der an einer roten Ampel stand, fiel plötzlich 20 m tief in das entstehende Loch von 30 m Länge und 40 m Breite. Alle drei Passagiere des Busses starben, der Fahrer erlitt schwere Verletzungen.

Bei der Suche nach der Schadenursache stellte sich heraus, dass eine 26 m hohe Stützwand im Bereich des Aushubes nachgegeben hatte, weil sie seitlich im Erdreich nicht ausreichend verankert war. Dies führte zum Bodeneinbruch und schließlich zum völligen Einsturz der Stützkonstruktion aus Stahl.

Bodenuntersuchungen: Keine Hinweise auf schwierige Bodenverhältnisse

Vor Baubeginn waren Bodenuntersuchungen im Abstand von jeweils 50 m entlang der Trasse durchgeführt worden. Dabei fand man jedoch keine Hinweise auf schwierige Bodenverhältnisse. Die nach dem Unglück vorgenommenen Untersuchungen ergaben, dass hinter der Stützwand inhomogene Bodenschichten aus abgelagertem Geröll und Sandstein mit Lehmschichteinlagerungen vorhanden waren. Man vermutet, dass infolge der baubedingten Änderung des Grundwasserspiegels Bodenmassen auf den teilweise geneigten Lehmschichten zu gleiten begannen.

Durch den Einsturz der Stützwand kam es zu Setzungsschäden an den Nachbargebäuden, die das Haftpflichtlimit der CAR-Police von 1 Million US$ überstiegen. Außerdem waren zahlreiche Gas-, Wasser-, Strom- und Telefonleitungen in dieser Gegend unterbrochen. Nach dem Schadenereignis galt es, die Straße möglichst schnell wieder für den Verkehr passierbar zu machen: Zur Stabilisierung der Baustelle befestigte man zunächst den Boden in der Umgebung durch Zementeinpressung.

Der bereits ausgehobene Bereich wurde wieder aufgefüllt und mit der gleichen Methode verfestigt. Noch vorhandene Abschnitte der Stützwände verstärkte man. Das Stahlgerüst wurde wieder aufgebaut. Nach Verlegung der Stahlplatten gab man die Straße für den Verkehr frei.

Die weiteren Arbeiten können in dem vom Schaden betroffenen und anschließend stabilisierten Bodenbereich nicht mehr in offener Bauweise durchgeführt werden; der Bau der U-Bahn-Station muss nun in geschlossener Tunnelbauweise erfolgen. Der Lüftungsschacht wird an eine andere Stelle verlegt.

Den Schaden an der Baustelle schätzt man vorläufig auf 22 Millionen US$. Dazu kommen etwa 6 Millionen US$, die bereits für die Stabilisierung der Baustelle und für die Wiederherstellung der provisorischen Straße verwendet wurden.

Dieser Fall zeigt, dass gerade bei U-Bahn-Bauten sehr viel Sorgfalt auf eine äußerst genaue Bodenuntersuchung der Baustrecke gelegt werden muss. Der Mehraufwand für eine genauere Bodenuntersuchung hätte mit großer Wahrscheinlichkeit geholfen, diesen Schaden zu verhindern.