Heiko P. Wannick
Risikomanagement für Tunnelprojekte
Katastrophale Unfälle bei Tunnelprojekten belasten die internationale Assekuranz seit den 90er-Jahren schwer. Die Großschäden machten das Geschäftssegment "Bauwesenversicherung von Tunnelbauten" zunehmend unattraktiver. Die "Richtlinien zum Risikomanagement von Tunnelprojekten", welche die Münchener Rück entscheidend mitentwickelt hat, sollen nun helfen, Schadenhäufigkeit und -höhe im Tunnelbau zu minimieren.
São Paulo, Brasilien, 12. Januar 2007: Bei Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie 4 stürzen der Startschacht und Teile der dahinterliegenden Streckentunnel im Bereich der künftigen Station Pinheiros ein. Der Durchmesser des Schachts vergrößert sich dabei von 42 auf 80 m. Nach Presseberichten kommen sieben Menschen ums Leben. Zur Schadenursache gibt es bislang noch keine offiziellen Angaben – eine Untersuchungskommission ermittelt.
Kein anderer Bereich des Bauwesens ist seit Beginn der 90er-Jahre so massiv von Großschäden betroffen wie der Tunnelbau. Neben Sachschäden in oftmals zweistelliger Millionenhöhe waren hohe Haftpflichtschäden zu verzeichnen und zahlreiche Menschen verloren ihr Leben. Die internationale Assekuranz leistete bisher für Großschäden Zahlungen von über 600 Millionen US$.
Die Ursachen der Schäden waren vielfältig: Zu zahlreichen Einstürzen kam es, weil der Baugrund versagte; einige Tunnel wurden durch Flut oder Erdbeben beschädigt, in anderen brachen während der Bauzeit Brände aus. Etliche Schäden hätten verhindert oder ihr Ausmaß hätte gemindert werden können, wenn professionelle Risikomanagementkonzepte angewendet worden wären. Daher war es nur konsequent, dass Versicherer und Vertreter der Bauindustrie 2005 gemeinsam die internationalen "Richtlinien zum Risikomanagement von Tunnelprojekten" entwickelten. Das Ziel: ausgefeilte Risikomanagementmaßnahmen in jeder Projektphase einzuführen und anzuwenden, um Schadenereignisse abzuwenden oder ihr Ausmaß zu minimieren.
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