Maschinenversicherung

In Deutschland setzte die stürmische wirtschaftliche Entwicklung erst ein wenig verspätet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Mit dem rasanten Wachstum und der Zuversicht, neue Geschäftsideen umsetzen zu können, kam es zu einer Welle von Unternehmensgründungen in der "Gründerzeit".

Einer dieser erfolgreichen Gründer war der 36-jährige Karl Thieme, der mit angesehenen Münchener Industriellen und Bankiers 1880 die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft in München und später, 1890, die Allianz Versicherungs-AG in Berlin gegründet hatte. Im Jahre 1898 schlug ihm sein Mitarbeiter, der Oberingenieur Fritz Böhrer, der als technischer Direktor eines Druckereibetriebes umfangreiche Erfahrungen mit Schäden gesammelt hatte, eine bis dahin in Deutschland nicht erhältliche innovative "Versicherung von Maschinen und maschineller Vorrichtungen für alle industriellen Betriebe, Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke etc. etc." vor.

In den Jahren 1898/99 machte Böhrer eine schriftliche Umfrage bei verschiedenen Gewerbe- und Industrieunternehmen in Bayern. Nach Auswertung dieser Umfrage, die den Maschinenversicherungsbedarf bestätigte, wurde das neue Versicherungsprodukt in Zusammenarbeit mit befreundeten Versicherungsunternehmen eingeführt und als "Unfallversicherung" für Maschinen im Anschluss an eine bereits bestehende Betriebshaftpflichtversicherung vertrieben.

Maschinenversicherung als Allgefahrendeckung

Thieme, für Neuerungen stets aufgeschlossen und an innovativen Versicherungskonzepten für sein junges Unternehmen und dessen Kunden interessiert, unterstützte Böhrers Idee voll und ganz. Diese Maschinenversicherung war von Anfang an als Allgefahrendeckung mit benannten Ausschlusstatbeständen angelegt; ganz im Gegensatz zu den Versicherungen für Dampfkessel, die nur Versicherungsschutz für Sachschäden boten, wenn diese durch benannte Gefahren, z. B. Explosion, verursacht wurden.

Am 1. Januar 1900 wurde der damaligen Zweigniederlassung München der Allianz Versicherungs-AG die Konzession zum Betrieb dieser Maschinenversicherung zunächst für das Königreich Bayern erteilt und in den Jahren 1903 und 1904 durch das kaiserliche Reichsaufsichtsamt in Berlin für mehrere Erstversicherer auf ganz Deutschland ausgedehnt.

Die damals noch junge Münchener Rück wollte ihren Zedenten damit ein Versicherungsprodukt für das aufblühende Gewerbe- und Industriegeschäft anbieten. Das Geschäft mit dem neuen Produkt wurde schnell mithilfe besonders ausgewählter Vertreter ausgeweitet und für Maschinen aus fast allen Branchen angeboten.

Globaler Vertrieb

Immer mehr Versicherer wurden in der neuen Sparte aktiv. Die Münchener Rück vertrieb die Maschinenversicherung auch über Deutschland hinaus in Österreich, Ungarn, Italien, der Schweiz, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden, letztlich auch in Übersee.

Thieme unterstützte Böhrers Idee der Maschinenversicherung auch in den schwierigen Auf- und Ausbaujahren. So ermöglichte das glückliche Zusammentreffen des mutigen Unternehmers Thieme und des visionären Ingenieurs Böhrer den Erfolg der Maschinenversicherung.

Um dem neuen Versicherungszweig eine breitere Basis zu geben, wurde am 15. August 1910 eine Versicherung für Vermögensschäden als Folge versicherter Maschinenschäden, die Betriebsverlustversicherung, ein früher Vorläufer der Maschinen-Betriebsunterbrechungsversicherung, eingeführt.

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