Geschichte der technischen Versicherung
Die Entwicklung der Technischen Versicherungen begann Mitte des 19. Jahrhunderts in England mit der "industriellen Revolution".
Die industrielle Revolution war durch die Erfindung des Dampfkessels durch Papin 1690 und Newcomen 1725 und der "doppelt wirkenden Industriedampfmaschine" durch James Watt um 1781 ausgelöst worden. Der zunehmende Einsatz von Dampfkesseln und Dampfmaschinen erlaubte die Umstellung von Handarbeit in Manufakturen auf maschinelle Produktion in Fabriken und veränderte das technische und gesellschaftliche Weltbild. Der Fabrikarbeiter trat neben den Handwerker und an dessen Stelle.
Dampfkesselexplosionen und das Bersten der großen Schwungräder von Dampfmaschinen waren neben den Feuerschäden neuartige, ungewohnte Sachschäden, die auch zu Personenschäden in den Fabriken und ihrer Umgebung führten. Die Kesselbetreiber in Großbritannien gründeten daher 1854 die "Manchester Steam Users Association", mit dem Zweck, die Dampferzeuger der Mitglieder in regelmäßigen Abständen auf Mängel zu untersuchen und das Bedienungspersonal im sachgemäßen Gebrauch zu unterrichten. Hiermit waren die technische Inspektion und Revision begründet worden und zugleich das Berufsbild des Inspektions-, Revisions- und Versicherungsingenieurs.
Kesselexplosionen mit Folgen
Die Anzahl der Kesselexplosionen konnte beträchtlich vermindert werden, die Berechnungsmethoden und Werkstoffe wurden verbessert. Die Fertigung bei den Herstellern sowie Montage und Inbetriebnahme überwachten unabhängige Fachleute.
Im Jahre 1859 entschlossen sich einige Ingenieure, nicht nur mit Inspektionen Schäden zu verhüten, sondern auch Versicherungsschutz für Sach- und Personenschäden anzubieten. Zu diesem Zweck wurde – ebenfalls in Manchester – die Steam Boiler Assurance Company gegründet.
In den USA entstand 1866, also nur sieben Jahre später, die Hartford Steam Boiler Inspection & Insurance Company mit dem ursprünglichen Ziel, Inspektionen und Versicherungsschutz für Lokomotiven der privatwirtschaftlich organisierten Eisenbahngesellschaften anzubieten; sie hat sich zu der heute größten Versicherungs- und Inspektionsgesellschaft für technische Risiken in den USA entwickelt. Eine Fülle von Erfindungen im 19. Jahrhundert beschleunigte die weitere Industrialisierung und die Nachfrage nach risikogerechtem Versicherungsschutz.
Elektromotor, Generator, Transformator, Wasser- und Dampfturbine, Gasmaschine, Otto- und Dieselmotor führten zum Aufblühen von Energietechnik und Energiewirtschaft. Die Elektrizitätsversorgung in Deutschland begann mit der dezentralen Erzeugung von Strom in Industriebetrieben für den Antrieb von Arbeitsmaschinen, in den Kommunen für die Beleuchtung der Städte. Sie entwickelte sich von der ersten Dampfturbinenanlage mit 1 MW Leistung im Kraftwerk Elberfeld im Jahre 1900 – nach den bahnbrechenden Ideen und erfolgreichen Erprobungen Oskar v. Millers in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – zum zentralen und heute europaweiten Verbundsystem mit Einheitsleistungen von bis zu 1 300–1.500 MW in Kernkraftwerken in Deutschland und Frankreich.
Die Gas- und Wasserwirtschaft führte durch die Fortschritte im Verdichter- und Pumpenbau zusammen mit hygienischer Abwasserversorgung der städtischen Ballungsgebiete zum Aufbau moderner Gas-, Wasser- und Abwassersysteme.
weiter »