Dr. Alfons Maier
Autobahnbrücke Wiehltal: Schaden effizient regulieren und Brücke innovativ reparieren
Verformte Brückenteile nach schwerem Verkehrsunfall reparieren oder ersetzen? Gefragt: eine innovative Reparaturtechnik. Bauingenieurtechnisches Expertenwissen und aktives Schadenmanagement waren die Erfolgsfaktoren für eine effiziente Regulierung.
Am 26. August 2004 stürzte ein Lkw mit 33.000 l Kraftstoff nach einer Kollision mit einem Pkw von der Autobahnbrücke Wiehltal und explodierte. Der Fahrer des Tanklastzugs kam ums Leben. Der Brand verformte Teile der Brücke – die Tragfähigkeit war nicht mehr gegeben – und sie musste gesperrt werden. Wohnhäuser unterhalb der Brücke blieben von der Katastrophe verschont. Der Unfallverursacher, der mit seinem Fahrzeug zwischen Zugmaschine und Anhänger des Lastzugs geraten war, stand unter dem Einfluss von Cannabis und besaß keinen Führerschein.
Die Vorbereitungen für die Schadenbearbeitung in der Münchener Rück begannen sofort, nachdem die Schadenmeldung eingegangen war. Erste Besprechungen sollten klären, wie es um den Haftpflichtversicherungs- und Rückversicherungsschutz stand: Sowohl für den Pkw als auch für den Lastzug bestanden Policen mit unbeschränkter Haftung (Illimitée).
Der Schaden schien sich dramatisch zu entwickeln: Temperaturen von bis zu 1.200° C hätten sich nach ersten Medienberichten verheerend ausgewirkt. Man befürchte, ein Pfeiler sei irreparabel beschädigt. Denkbar sei, dass die Brücke eingerissen werden müsse – Statiker müssten sie deshalb in den nächsten Tagen genau untersuchen.
Mögliche Konsequenz: Totalschaden, wenn der Pfeiler aufgrund der Konstruktion nicht austauschbar wäre. Ein einfacher Abriss wäre zudem ausgeschlossen, die Brücke hätte Stück für Stück demontiert werden müssen, Ab- und Neubau könnten rund 4 Jahre dauern. Immense Folgekosten entstünden, wenn die A 4 – eine der Hauptverkehrsstraßen in Nordrhein-Westfalen – für längere Zeit unterbrochen sei. Im schlechtesten Fall könne sogar ein dreistelliger Millionenschaden (€) drohen.
Aktives Schadenmanagement
Jetzt galt es, Strategien für eine effiziente Schadenregulierung auszuarbeiten, die schnell und zielgerichtet greifen würden. Zunächst konzentrierte man sich auf folgende Themen: Welche Auswirkungen ergeben sich aus der Illimitée-Deckung und für wen? Wie kann man den Schaden in dieser ersten Phase realistischer einschätzen? Welche Reparaturmaßnahmen sind denkbar?
Gleichzeitig stand man in engem Kontakt mit dem hauptbetroffenen Erstversicherer. Gemeinsam beriet man Erstmaßnahmen und weitere Vorgehensweisen – Sachverständige wurden eingeschaltet. Ein externer Brückenbauexperte unterstützte bei der Begutachtung vor Ort. Das Ziel: den Schaden präzise schätzen, um schnell exakte Aussagen zu einer möglichen Reparatur machen zu können.
Die Besichtigung fand nur wenige Tage nach dem Unfall statt. Das Ergebnis: Der Tanklastzug war vor der ersten Stahlbetonstütze in die Tiefe gestürzt. Entgegen erster Medienberichte waren Pfeiler und Auflager nicht beschädigt. Die erhebliche Brandlast hatte allerdings Schäden am Längsträger in Fahrtrichtung Olpe verursacht. Auch die Trägerprofile waren schadhaft: Etwa 5 m des Mittelstegs waren thermisch stark verformt.
Der Schaden erstreckte sich über mehrere Profile. Die große Hitze der Explosion hatte darüber hinaus die Fahrbahndecke beschädigt. Fest stand aber: Es handelte sich keineswegs um einen Totalschaden – die Brücke konnte repariert werden.
Anschließend gab man weitere Gutachten in Auftrag. Man ließ beispielsweise Materialproben entnehmen, um die Gefügestrukturen zu beurteilen, und veranlasste eine Prüfung der Statik.
Neben der bautechnischen Schadenanalyse galt es außerdem, weitere Schäden zu berücksichtigen und diese sofort in die Bearbeitung aufzunehmen. Wohnhäuser des Orts Weiershagen, die nur etwa 30 m von der Unglücksstelle entfernt stehen, waren zwar verschont geblieben, doch ein Schrebergarten wurde zerstört – die Absturz- und Brandstelle des Tanklastzugs. Das Erdreich war kontaminiert.
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