Dieter Ackermann, Thomas Lange
Folgenreicher Rechenfehler: Brand in einer Raffinerie
In einer Raffinerie nördlich der marokkanischen Stadt Casablanca brannte ein Kraftstofftank aus. Das Schadenfeuer loderte über 30 Stunden. Es vernichtete den Inhalt von 7.000 m3 Treibstoff und zerstörte den Tank völlig. Der Feuerversicherer trägt die Schadensumme von 1,75 Millionen €.
Am Abend des 18. September 2003 geriet in der größten Raffinerie Marokkos nördlich von Casablanca ein Tank mit 7.000 m3 unverbleitem Superkraftstoff in Brand. Der Tank wurde nicht nur benutzt, um Raffinerieprodukte zu lagern, sondern diente auch als Mischbehälter, um den Kraftstoff mit Zusätzen zu versehen, welche die Klopffestigkeit im Motor verbessern.
Zu diesem Zweck wendet die Raffinerie einen so genannten Batchprozess an. Im Gegensatz zum Inlineprozess, bei dem man dem Produktstrom, der durch die turbulente Strömung vermischt wird, kontinuierlich ein Additiv zuführt, gibt man beim Batchprozess die Zusatzstoffe aus Reformat, Naphtha und Butan auf einmal zu. Erst nachträgliches Rühren vermischt diese mit dem Rohbenzin.
Der Brand Der Schichtleiter bemerkte als Erster den Brand im Tank. Über Funk veranlasste er sofort, dass die Pumpen abgeschaltet und alle angeschlossenen Leitungen gesperrt wurden. Als er die Werksfeuerwehr benachrichtigte, schlug gleichzeitig ein Wachmann Alarm. Dieser sicherte über Nacht Arbeitsgeräte und Materialien, die in der Nähe des Kraftstofftanks lagerten. Er erlitt Verbrennungen zweiten Grades an den Händen und im Gesicht.
56 Feuerwehreinheiten im Einsatz
Wenige Minuten nach dem Alarm traf die Werksfeuerwehr mit drei Löschzügen am Brandort ein. Auch Feuerwehreinheiten aus Mohammedia und Casablanca sowie aus der zweitgrößten Raffinerie des Landes in Sidi Kacem unterstützten die örtliche Feuerwehr. Insgesamt waren 56 Feuerwehreinheiten im Einsatz.
Mittlerweile breitete sich das Feuer über den gesamten Tank aus. Gräser und Sträucher in der Umgebung brannten aufgrund der Strahlungswärme, die sich bei einem solchen Tankbrand entwickelt. Die Schmieröltanks auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren unmittelbar von den Flammen bedroht. Ein Luftkompressor, der für Sandstrahlarbeiten an den Rohrsträngen verwendet wurde, fing Feuer. Diesel- und Farbkanister waren ebenfalls in Brand geraten. Diese kleineren Feuerherde dämmte man rechtzeitig mit tragbaren Feuerlöschern ein.
Mit Wasservorhängen sicherten die Löschmannschaften die Kraftstofftanks in der Umgebung vor der extremen Hitze. Auch Propangastanks, die in der Nähe des Brandherds standen, kühlte man vorsichtshalber mit Wasservorhängen. Schließlich waren die Schutzmaßnahmen erfolgreich, sodass sich das Feuer auf den einen Tank beschränkte.
Die Löscharbeiten
Die Löscharbeiten konzentrierten sich auf den lichterloh brennenden Kraftstofftank. Man kühlte den Tankbehälter von außen mit Wasser und versuchte gleichzeitig, das Feuer im Inneren des Tanks mit Schaum zu ersticken. Dazu schloss die Feuerwehr Schaumerzeuger an die dafür vorgesehenen Löschmittelleitungen des Kraftstofftanks an.
Es stellte sich jedoch heraus, dass die zugeführte Schaummenge zu gering war, um den Brand im Tankinneren in den Griff zu bekommen. Innerhalb der nächsten 24 Stunden unternahmen die Feuerwehrleute drei weitere Löschversuche: Jedes Mal, wenn sie glaubten, den Brand besiegt zu haben, loderten Augenblicke später die Flammen wieder auf.
Erst am frühen Morgen des 20. September gab der Feuerwehrkommandant Entwarnung: Das Feuer war nach über 30 Stunden erloschen, da der Tankinhalt vollständig verbrannt war. Man trennte alle Zufuhr- und Entnahmeleitungen des Tanks und verschloss sie mit Blindflanschen. Zwei Löschzüge blieben noch einige Tage vor Ort, um sicherzugehen, dass von der Brandstelle keine Gefahr mehr ausging.
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