Nikolaus von Bomhard,
CEO von Munich Re.

21. Dezember 2009

Statement Nikolaus von Bomhard,
CEO von Munich Re

"Das Ergebnis von Kopenhagen macht mich einigermaßen fassungslos. Das beim G8-Gipfel im Sommer zusammen mit China und Indien bereits vereinbarte 2°C-Ziel wurde in Kopenhagen lediglich unverbindlich zur Kenntnis genommen. Die großen Industriestaaten, aber auch China und Indien, ziehen sich damit hinter ihre bereits vereinbarte Linie zurück.
Wir bei Munich Re befassen uns intensiv mit einer Vielzahl von Risiken und wie man am besten mit diesen umgeht. Der Klimawandel ist ein solches Risiko, und die Notwendigkeit zum Handeln ist offensichtlich. Daher fehlt mir das Verständnis dafür, wie wenig in den Verhandlungen in Kopenhagen erreicht wurde.

Der Klimawandel ist eine Tatsache, und er ist fast ausschließlich menschgemacht. Mit verursacht durch den Klimawandel gibt es mehr schwere wetterbedingte Naturkatastrophen, da die Wettermaschine gewissermaßen auf höheren Touren läuft. Die Zahlen sprechen für sich: 1600 Milliarden Dollar betrugen die Schäden durch wetterbedingte Naturkatastrophen nach Daten von Munich Re seit 1980, und daran hat der Klimawandel sicher einen signifikanten Anteil. Wir vermuten, dass heutzutage Jahr für Jahr ein niedriger 2-stelliger Milliarden-Betrag der Schäden auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Und diese Schäden werden in Zukunft dramatisch zunehmen.

Daher ist jetzt Führung gefragt. Letztlich müssen die USA, Europa mit Deutschland und China den Knoten durchschlagen. Das geht sicher im kleinen Rahmen besser als während eines Klimagipfels mit 193 Verhandlungsparteien und abertausenden Teilnehmern. Daher plädiere ich nach der Erfahrung von Kopenhagen nachdrücklich für rasche Gespräche im kleinen Kreis, um die Verhandlungen weiterzubringen.

Wir brauchen ein striktes Klimaabkommen, und zwar schnell. Der Klimawandel ist ein globales Problem und damit eine Bewährungsprobe für die Menschheit. Wenn alle Akteure nur ihre nationalen Interessen verfolgen, wird es zur Klimakatastrophe kommen.

Die Wirtschaft wird jetzt sicher vorangehen und selbst aktiv Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Vermeidung seiner Folgen umsetzen, denn sie rechnen sich. Ein Beispiel dafür ist die Desertec Industrie-Initiative, das große Wüstenstromprojekt. Wir als Munich Re werden alles daran setzen, diese Vision gemeinsam mit unseren Partnern möglichst bald Wirklichkeit werden zu lassen. Langfristig braucht die Wirtschaft aber ein globales Abkommen, um eine Verzerrung der Wettbewerbsbedingungen und das Abwandern von CO2-reichen Produktionsverfahren und damit auch Arbeitsplätzen in Länder ohne Regulierungsmechanismen zu verhindern."