Kippt der Trend zur zunehmenden Langlebigkeit?
Die zunehmende Langlebigkeit ist nicht nur ein Thema für die Lebens- oder Krankenversicherung, sondern auch für die Versicherten selbst. Erstaunlicherweise hat die explosionsartige Verbreitung von Übergewicht der Lebenserwartung bislang wenig anhaben können. Nun wurde erstmals "berechnet", dass die Lebenserwartung in den USA wieder sinken könnte.
Ein Team aus Demographen und Biostatistiker um Prof. Olshanski der Universität Chicago veröffentlichte in der international renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine eine nicht nur in Fachkreisen stark beachtete Untersuchung. Demnach soll zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte die Lebenserwartung der Amerikaner aufgrund der epidemischen Ausmaße von Übergewicht sinken.
Seit den 80er und 90er Jahren nimmt der Anteil an Übergewichtigen in den USA jeweils um 50 Prozent pro Dekade zu. Mittlerweile sind zwei Drittel aller US-Amerikaner übergewichtig.
Das Forscherteam verglich die Todesraten von Übergewichtigen nach Alter, Rasse und Geschlecht mit den Todesraten der Normalgewichtigen. Aus den gesammelten Daten errechneten die Wissenschaftler die Auswirkung auf die Lebenserwartung der Bevölkerung. Demnach wäre heute die Lebenserwartung der US-amerikanischen Bevölkerung um 4—9 Monate höher, wenn alle übergewichtigen Erwachsenen ihr Normalgewicht hätten.
Leben übergewichtige Kinder und Jugendliche kürzer?
Noch bedenklicher sieht die Situation bei den amerikanischen Kindern und Jugendlichen aus, die schon jetzt höhere Zuwachsraten an Übergewicht als die Vorgeneration aufweisen. Wenn sich die Entwicklung der epidemischen Ausbreitung des Übergewichtes unter Kindern und Jugendlichen so fortsetzt, gehen ganze zwei bis fünf Lebensjahre bis zum Jahr 2050 verloren. Das entspricht in etwa dem Effekt, den sämtliche Krebserkrankungen auf die Lebenserwartung der Bevölkerung ausüben.
Aber nicht nur die "Übergewichtsepidemie" bedroht die Langlebigkeit. Weitere lebenslimitierende Faktoren, die allerdings in dieser Studie nicht näher untersucht wurden, sind nach Einschätzungen von Prof. Olshanski die Infektionserkrankungen, insbesondere AIDS, aber auch eine drohende Influenzapandemie, die zunehmende Resistenzentwickung bei Antibiotika und besonders bei Lifestyle-Faktoren, wie die mangelnde Blutdruckbehandlung, Stress und Nikotin.
Aus den errechneten Daten schlussfolgern die Autoren, dass die Zunahme der Langlebigkeit nun zum ersten Mal seit 200 Jahren zu einem Ende kommen würde — zumindest in den USA.
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