Versicherungs-relevante Fragen

Wenn bisher unheilbare Krankheiten wie die Alzheimer-Krankheit geheilt werden könnten, das Durchschnittsalter der Menschen steigt, aber sich gleichzeitig auch Gentechnikrisiken häufen, dann hat dieses erhebliche Auswirkungen für die Versicherungsbranche. Experten der Münchener Rück stellen sich den Fragen der Versicherer.

01 Wie wirkt sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Ernteversicherung aus?

Die weltweite Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen ist im Jahr 2003 auf 67,7 Mio. Hektar gestiegen. Dabei sind die USA mit 42,8 Mio. ha mit Abstand der größte Produzent, gefolgt von Argentinien (13,9 Mio. ha) und Kanada (4,4 Mio. ha).

Weiteres Wachstum der weltweiten Fläche wird erwartet, vor allem in Ländern wie China, Südafrika, Brasilien. Bei den gentechnischen Veränderungen stehen derzeit die Herbizidtoleranz und Insektenresistenz im Vordergrund. Da die Hauptgefahren in der Ernteversicherung Naturgefahren wie Trockenheit, Hagel, Frost, Sturm etc. sind, sind die Auswirkungen gentechnischer Veränderungen auf die Ernteversicherung derzeit gering.

In den USA werden gentechnisch veränderte Pflanzen zu gleichen Konditionen wie konventionelle Produkte versichert, eine Trennung erfolgt nicht. Bisher wurden keine nennenswerten Unterschiede in der Exponierung festgestellt. In Europa wird der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen von einer intensiv geführten Risikodiskussion und einer restriktiven Gesetzgebung erschwert.

Resistenzdurchbruch führt zu Kumulschäden

Vereinzelt wird von Anbauproblemen gentechnisch veränderter Soja berichtet, die bei Hitze und Trockenheit vermehrt Ernteausfälle zeigt. Zudem besteht die Gefahr, dass gentechnisch veränderte Sorten aufgrund ihrer anbautechnischen Vorteile auf Standorten angebaut werden, an die diese Sorten nicht angepasst sind. Auch dies führt folglich zu Mindererträgen. Ein Resistenzdurchbruch könnte bei großflächigem Anbau zu Kumulschäden führen.

Diese Schadenpotenziale werden seitens der Münchener Rück und der Ernteversicherer genau beobachtet. Vor allem gilt es aber die Entwicklung neuer gentechnischer Eigenschaften wie z.B. Resistenz gegen abiotischen Stress (Trockenheit, Frost etc.) oder veränderte Inhaltsstoffe eng zu verfolgen und auf die Chancen und Risiken mit Konditionsanpassungen und Produktentwicklung zu reagieren.

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