3. Quartal 2006
Geringere Mykotoxinbelastung in Bt-Mais bringt Gesundheitsvorteile
Diese Hypothese vertritt L. Kershen in einem Artikel im amerikanischen "Food and Drug Law Journal". Ausgangspunkt seiner Überlegungen war das gehäufte Auftreten von Schwangerschaften mit Neuralrohrdefekten bei Embryos im Rio Grande Valley in den frühen 1990er-Jahren. Auffallend war dies, weil die Frauen die seit 1992 vom US Public Health Service empfohlene Menge an Folsäure bekommen hatten und mit dieser Maßnahme in anderen Regionen Neuralrohrdefekte bei Embryos deutlich reduziert werden konnten. Warum blieb die Nahrungsergänzung mit Folsäure im Rio Grande Valley wirkungslos? In dieser Gegend wird auffallend viel unverarbeiteter Mais verzehrt, der oft mit dem Mykotoxin Fumonisin belastet ist, das der Pilz Fusarium herstellt. In einer Studie aus dem Jahr 2004 konnte gezeigt werden, dass Fumonisin auf molekularer Ebene die Aufnahme von Folsäure aus der Nahrung hemmt und so ihre positive Wirkung auf Neuralrohrdefekte verhindert.
Die Larven des Maisstängelbohrers öffnen dem Fusarium-Pilz die Eintrittspforten, d. h., je mehr Stängelbohrerbefall, desto größer ist der Fusariumbefall und desto höher der Fumonisingehalt in der Nahrung/im Futter. Bt-Mais verhindert den Befall mit dem Stängelbohrer und enthält deshalb weit weniger Mykotoxine als konventioneller Mais. Einer Studie des spanischen IRTA (Institute of Agro-Food Research and Technology) zufolge war die Mykotoxinbelastung in Bt-Mais 2005 um 83 % geringer als in konventionellem Mais. Andere Untersuchungen aus Argentinien, Frankreich, Italien und der USA bestätigen dies. Die US-Zulassungsbehörde und die Europäische Kommission haben bereits Richtlinien für die maximale Fumonisinbelastung in Nahrungs- und Futtermitteln festgelegt. Als weitere regulatorische und rechtliche Konsequenzen diskutiert Kershen in dem Artikel verschiedene Möglichkeiten: von Aufklärungskampagnen und Fumonisinmonitoring bis hin zu Warnhinweisen auf Nicht-Bt-Produkten.
Fazit:
Mykotoxine in Nahrungs- und Futtermitteln sind ein bekanntes Problem. Sie verursachen Kosten im Gesundheitswesen und Ertragseinbußen in der Landwirtschaft. Der Anbau von Bt-Mais kann als eine Möglichkeit unter vielen gesehen werden, die Mykotoxinbelastung zu reduzieren.