Gentech-Information

Ausgewählte versicherungsrelevante Beiträge rund um das Thema Gentechnologie.

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4. Quartal 2005

Hundegenomprojekt hilft, Krankheiten des Menschen aufzuklären

Der Mensch hat ein besonderes Verhältnis zum Hund. Dieser hilft nicht nur bei der Jagd und beschützt Herden, sondern dient als Haustier komplexen menschlichen Bedürfnissen. Kein Tier wurde früher domestiziert, und zwar vor mehr als 15.000 Jahren vermutlich in Südostasien. Alle heutigen Hunde stammen vom Wolf ab und ihre große Verschiedenheit, z. B. Größe oder Verhalten, ist das Ergebnis von Züchtung. Das macht Hunde zu einem einzigartigen genetischen Modell. Jede einzelne Rasse ist durch Inzucht in sich genetisch sehr ähnlich. Daher kann man leicht den Zusammenhang herstellen zwischen Zuchtmerkmal (z. B. Größe, Aggressivität) und seinen genetischen Grundlagen.

Nun wurde das gesamte Genom eines weiblichen Boxers identifiziert. Das Hundegenom ist etwas kleiner als das des Menschen (2,4 gegenüber 3,2 Mrd. Buchstaben) und besitzt etwas weniger Gene. Die wichtigsten 5 % des Menschengenoms finden sich weitgehend auch beim Hund. Der genetische Unterschied zwischen zwei einzelnen Menschen ist ungefähr so groß wie zwischen Boxer und Pudel (jeder tausendste Buchstabe).

An Tieren wird deshalb geforscht, um grundsätzliche Fragen der Biologie zu klären, die dann auch meistens den Menschen betreffen. Es gibt viele biologische Funktionen, die bereits sehr früh in der Evolution perfekt erfüllt wurden. Diese Gene haben sich in der Folgezeit kaum mehr verändert. Daher gibt es heute viele Gene, die bei Mensch, Hund, Maus und vielen anderen Tieren gleich oder ähnlich sind.

Einige hundert genetische Störungen treten beim Menschen wie auch beim Hund auf, hier jeweils nur bei einigen wenigen Rassen, z. B. Narkolepsie (unkontrolliertes Einschlafen) beim Dobermann, Nierenkrebs beim deutschen Schäferhund. Wegen der durch Züchtung induzierten genetischen Homogenität kann man ein krankheitsverursachendes Gen beim Hund leichter finden als beim Menschen. Auf diese Weise kann man genetische Störungen beim Hund identifizieren. Relativ einfach können dann auch gleich therapeutische Experimente angeschlossen werden. Somit können Ursachen und Therapien menschlicher Erkrankungen im gleichen Modellorganismus erforscht werden.

Insgesamt ist die Aufklärung des Hundegenoms ein weiterer Meilenstein in der Genetik, womit nicht nur medizinische Fragestellungen, sondern auch grundlegende Fragen der Evolution besser beantwortet werden können.