Gentech-Information

Ausgewählte versicherungsrelevante Beiträge rund um das Thema Gentechnologie.

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2. Quartal 2005

Herzinfarkt

Genetische Untersuchungen tragen dazu bei, Hochrisikopatienten aufzuspüren

Bestimmte Merkmale der koronaren Herzerkrankung, die Angina pectoris verursacht und zum Herzinfarkt führt, sind stärker vererbbar als andere. Einengungen der Herzkranzgefäße sind umso öfters vererbt, je breiter das betroffene Gefäß ist und je mehr Blut es daher transportiert (Hauptstamm, proximale abgangsnahe Abschnitte). Verengungen an diesen Stellen sind für den Patienten besonders gefährlich, weil ein Zusammenhang besteht zwischen Gefäßdicke und Schaden: Je breiter bzw. größer das verstopfte Blutgefäß, desto mehr Herzmuskel geht zugrunde.

"Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass genetische Faktoren nicht nur das Auftreten der koronaren Herzerkrankung überhaupt, sondern sogar ihre Ausprägung in Form und Stärke wesentlich mitbestimmen. Wir sollten uns angewöhnen, nicht nur den Patienten selbst, sondern auch seine Familie zu betrachten. Weist ein Patient also ein bestimmtes Befallsmuster der koronaren Herzerkrankung auf, zum Beispiel eine schwere Einengung des Hauptstamms, so kann durch einfache Screening-Untersuchungen das Risiko seiner Angehörigen, ebenfalls erkrankt zu sein, recht gut abgeschätzt werden. Und vor allem kann dann noch rechtzeitig reagiert werden! Das wäre also eine Art familienbasierte Vorbeugung", sagt Christian Hengstenberg, einer der Autoren der Studie.

Ausgewählt wurden Patienten, die vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten und von denen mindestens ein Geschwister ebenfalls eine schwere koronare Herzerkrankung aufwies (882 Geschwistern aus 401 Familien). Die Autoren analysierten, in welchem Ausmaß verschiedene Aspekte der koronaren Herzerkrankung genetisch verursacht sind. Anschließend wurden die jeweiligen Vererbungsgrade berechnet.

Hohe Erblichkeit

  • Alter beim Erstereignis
  • ursprungsnah gelegene Engstellen der Herzkranzgefäße, besonders im linken Hauptstamm
  • Verkalkungen der Herzkranzgefäße
  • Erweiterungen der Herzkranzgefäße

Niedrige Erblichkeit

  • Einengungen der kleineren Gefäßabschnitte
  • Muster der koronaren Blutversorgung
  • Anzahl der erkrankten Gefäße

"Der nächste Schritt ist nun, zu versuchen, die Gene zu identifizieren, die für die unterschiedlichen Ausprägungsmuster der koronaren Herzerkrankung verantwortlich sind", sagt Professor Hengstenberg. "Schließlich wollen wir — und das ist der Grund, warum wir diese Untersuchungen machen — die Gene finden, die eine koronare Herzerkrankung verursachen. Unser Ansatz besteht darin, zuerst die Krankheit besser zu kategorisieren und anschließend die Krankheitsgene zu identifizieren."

30. Mai 2005